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  • AutorenbildChristine Dicker

Farbe und Nachhaltigkeit – Reisenthel verjüngt Marke

Aktualisiert: 30. Okt. 2023

- HINTERGRUND -

 

2019 hat die Familie Reisenthel ihre Anteile an der Reisenthel Accessoires GmbH & Co KG an die Beteiligungsgesellschaft Invision verkauft. Was ist seitdem passiert? Wohin geht die Reise? Darüber habe ich mit Alexander Selch, zusammen mit Patrick Reisenthel Geschäftsführer von Reisenthel, Ende September am Firmensitz in Gilching gesprochen.

Der Besprechungsraum im dritten Stock ist lichtdurchflutet, wir nehmen die steilen Betontreppen dort hinauf – das tut der sportliche Alexander Selch jeden Tag mehrfach. Und dann geht es auch schon los: Wie es denn aktuell läuft, will ich von dem Geschäftsführer wissen? „In Anbetracht der Allgemeinsituation sehr zufriedenstellend. Vor allem bei den Möblern und im Lederwareneinzelhandel sind wir sehr gut dabei, aber auch überall dort, wo wir noch vertreten sind, sind wir zufrieden,“ erklärt mir Selch – mit einer Einschränkung: „Der einzige Bereich, wo es uns dieses Jahr trifft, ist der Radhandel, bei dem wir mit Körben für den Lenker und den Gepäckträger vertreten sind. Dieses Segment hat einen sehr hohen Lagerbestand, das sind noch Nachwirkungen der Pandemie. Das heißt, unsere Produkte werden zwar abverkauft, aber die Nachbestellungen des Großhandels bei uns sind natürlich zurückgegangen.“


Doch insgesamt zeigt sich Alexander Selch sehr zufrieden – das Unternehmen ist breit aufgestellt, ist neben dem Möbel- und dem Lederwareneinzelhandel auch bei Geschenkartiklern, in der Großfläche wie der Galeria Kaufhof, dem Papeterie- sowie dem Kinderbereich und natürlich auch mit einem eigenen Webshop – zu dem später mehr – vertreten. In einigen Ländern auch im LEH, so z.B. in Östereich, wo es keine Kaufhäuser, stattdessen aber Flächen für den Nonfoodbereich im LEH gibt. Oder in Italien und Frankreich auch in den Fachabteilungen der Gartencenter, die denen im deutschen Möbelhandel entsprechen. Aber auch die Bereiche Werbeartikel und Prämienprogramme sind laut Selch für Reisenthel wichtig. „Dadurch, dass wir so breit aufgestellt sind, sind wir natürlich gegenüber Verwerfungen in einzelnen Branchen extrem resilient,“ fährt Selch fort. „Außerdem sind wir eine der wenigen Marken, die das ganze Jahr durchverkauft werden. D.h. der Händler hat den gleichen Umsatz und Profit mit uns.“

Reisenthel ist übrigens in 60 Ländern weltweit unterwegs – in Deutschland wird der Handel durch einen eigenen Außendienst betreut, die Key Accounts werden direkt kontaktet. In vielen angrenzenden europäischen Ländern sind Handelsvertreter aktiv, in allen anderen Ländern arbeitet man mit Distributeuren zusammen.


So viel also zum aktuellen Stand. Als Firmengründer Peter Reisenthel 2019 sein Unternehmen verkaufte, wollte er damit auch die Weiterentwicklung des Unternehmens und die Investition in neue Produkte sowie das nachhaltige Wachstum unterstützen. Wie weit sind Sie auf diesem Weg? Frage ich Alexander Selch.


„Hauptsächlich ist folgendes passiert: Wir haben eine Nachhaltigkeits-Strategie gestartet, das sieht man unter anderem vor dem Gebäude an den Ladestationen, unser Fuhrpark hat sich komplett Richtung Elektro verändert. Außerdem haben wir innerhalb von zwei Jahren alle unsere Produkte auf recyceltes Obermaterial umgestellt. Das betrifft die gesamte Kollektion, da sind wir im Bereich Taschen und Accessoires definitiv Vorreiter – es gibt nicht viele, die da schon so weit sind wie wir,“ erklärt Alexander Selch. Im Handel kommt dieser Change hin zum neuen Material gut an. Erkennbar wird das nachhaltige Material an einem Label, mit dem die Produkte gekennzeichnet sind, auch auf der Website wird das intensiv kommuniziert. „Das muss man haben, so ein nachhaltiges Material, das passt zu 100 % zur Marke.“

Genaugenommen habe man bei Reisenthel schon vor 30 Jahren der Plastiktüte den Kampf angesagt und damit schon die ersten Zeichen Richtung Nachhaltigkeit gesetzt, erinnert Selch. Ich stimme zu und denke dabei an die Einkaufstasche, die sich ganz klein macht – den Mini Maxi Shopper gibt es auch heute noch im Sortiment. Nachhaltig sind die Reisenthel Produkte auch deshalb, weil die Haltbarkeit, die Qualität und das Design so gut sind, bestes Beispiel dafür ist der Carrybag. „Also waren wir schon immer nachhaltig, wir haben nun auch von der Materialität nachgezogen. Man könnte das Nachhaltigkeit 2.0 nennen. Und natürlich sind auch alle unserer Zulieferer zertifiziert.“


Was hat sich noch getan seit 2019? „Wir haben eine viel größere Farbvielfalt – früher gab es bei Reisenthel 4-6 neue Dekore im Jahr, jetzt sind es zwischen ca. 20 neue Dekore und Farben. Neben einer NOS-Kollektion kommen im Rhythmus von 6 bis 8 Wochen kommen noch One-Shots dazu, die nur begrenzt verfügbar sind. Wir sind schneller geworden, um eine noch größere und vor allem jüngere Zielgruppe anzusprechen,“ fährt Alexander Selch fort. Begleitend dazu habe man die Kommunikation extrem digitalisiert, eine neue Bildsprache entwickelt. Ein internes Team aus Grafik, E-com, Social Media und Marketing erstellt den Content für alle Kunden, Websites, sowie die verschiedenen Social Media Kanäle. „Über das Produkt, die Farbvielfalt und die Kommunikation ist es uns gelungen, unsere Kernzielgruppe um 15 Jahre zu verjüngen.“

Vorher lag die klassische Zielgruppe von Reisenthel bei eher bei 50 Plus, heute hat sich das Unternehmen eine deutlich jüngere Käuferschicht erschlossen. Die neue Bildsprache, die die neuen Produkte, die Farbthemen in Szene setzt, ist sehr modern, sehr trendy. Das Design entsteht bei Reisenthel übrigens im Haus, im Team wird entschieden, welche Farben und Dekore kommen und auf welchen Produkten sie umgesetzt werden.


Die Bandbreite soll von konservativ bis hin zu fresh und stylisch reichen, damit es eine kommerzielle Kollektion wird. „Für jeden ist etwas anderes fashionable – für den einen ist es Schwarz, für den anderen das Motiv mit der Ananas. Und wenn ich die gesamte Bandbreite habe, dazu ein gutes Preisleistungsverhältnis, sowie ein tolles Produkt mit einem nachhaltigen Ansatz, dann erreiche ich eine breite Konsumentenschar,“ erläutert Alexander Selch das Konzept. Übrigens ein gutes Stichwort, das Preisleistungsverhältnis: „Wir haben keinen direkten Wettbewerber – in der Breite des Portfolios gibt es niemanden, der das so leistet.“

Und natürlich gibt es immer wieder Produkterweiterungen, wie jetzt auch Schirme in Zusammenarbeit mit Knirps oder die Home Collection, die gerade stark ausgebaut wird.

Reisenthel hat aber auch viele Klassiker im Sortiment, an erster Stelle steht da natürlich der 2003 eingeführte Carrybag. Der liegt laut Selch beim Umsatz mit weitem Abstand vorne, aber „wir sind von ihm umsatzmäßig nicht abhängig. So gibt es zum Beispiel den Carrycruiser – ein stylischer Shopping-Trolley – , der auch einen sehr wichtigen Umsatzanteil generiert, dazu kommen noch die Waschtaschen oder auch die Reisetaschen. Alles sehr etablierte Bereiche. Aber ganz klar: Der Carrybag ist das Leuchtturmobjekt des Unternehmens, er ist ein ikonisches Produkt, was exemplarisch für eine ganze Produktkategorie steht. Wir sind sehr stolz, so eine Designikone in unserem Sortiment zu haben,“ begeistert sich Selch.


Auf ein Thema will ich noch einmal zurückkommen: den eigenen Webshop. Alexander Selch erklärt mir, warum der eine so wichtige Rolle für die Marke spielt. „Die wichtigste Säule bleibt nach wie vor der Händer und der B2B-Kanal. Den Content, den wir für den eigenen Webshop kreieren, den stellen wir auch unseren Händlern zur Verfügung. Über die Reisenthel Mediaplattform können sie sich die Inhalte herunterladen. Wir selbst bedienen unsere website, onlineshop, Instagram, Facebook & Co. - das brauchen wir als Marke heute, um unsere Zielgruppe zu erreichen. Es ist aber auch folgerichtig, dass wir die User, die uns auf diesen Social Media Kanälen folgen, direkt ohne einen Convenience-Bruch zu unserem Webshop führen. Die Investition in das Influencer Marketing hilft aber auch dem stationären Handel, weil die Marke bekannter wird.“


Last but not least sprechen wir über die Neuheiten – und da kommt noch einiges in den nächsten Monaten. Im Dezember zum Beispiel die Dots White, im März dann Twist Pink – das dann aber auf einer kleineren Kollektion. „Die Range wird nach Dekor justiert, modische Themen passen nicht auf allen Produkten,“ erkärt Alexander Selch. Weitere Dekore sind zu Beispiel Leo Macchiato, Lemon Ice dann schon Richtung Sommer, und anderes mehr wie auch das elegante Herringbone Sand. Bei den Produkten gibt es ebenfalls Neuheiten: Zum Beispiel einen neuen Citycruiser, neue Thermotaschen zum Umhängen sowie einen vollisolierten Rucksack. Und dann noch eine Kollektion, unter dem Namen Home & Living zusammengefasst wird. Storage Boxen, Wäschesammler, Aufbewahrungsboxen für das Regal oder unter das Bett gehören dazu. Sehr wertig dargestellt in der Bildsprache, dabei aber preislich zwischen 49 und 69 Euro. Und auch die Reisenthel Garderobe – ja, richtig gehört, sie ist schon lange im Sortiment – kommt in neuen Farben.

Es ist viel passiert, bei Reisenthel in den vergangenen beiden Jahren. Alexander Selch fasst es so zusammen: „Konstanter Umsatz, konstanter Profit – das ist nicht selbstverständlich. Das garantieren wir mit Reisenthel, weil wir immer irgendetwas haben, was sich dreht. Wir haben uns in sehr kurzer Zeit sehr stark verändert – in punkto Farbigkeit und Nachhaltigkeit.“ Kompliment an den neuen Geschäftsführer und sein Team, sie haben in der kurzen Zeit viel auf die Beine gestellt.







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