• Hartmut Kamphausen

Future Skills

- TRENDS -

Welche Zukunft wartet auf uns und was sind die wesentlichen Fähigkeiten, die jeder von uns benötigt, um sich anzupassen und sich dieser sich ständig verändernden Umwelt zu stellen? Diesen Fragen geht die neue Studie „Future Skills“ nach, die die GDI Gottlieb Duttweiler Institute im Auftrag der Jacobs Foundation erarbeitet hat. Für vier unterschiedlichen Szenarien für das Jahr 2050 werden Fähigkeiten und Eigenschafen abgeleitet, die notwendig sind, um darin zu bestehen und zu gedeihen.


Der Klimawandel, geopolitische Machtverschiebungen, die Langzeitauswirkungen der Corona- Krise – viele aktuelle Trends machen die Zukunft höchst ungewiss. Aufgrund dieser Unvorhersehbarkeit sind Future-Skills-Studien einerseits enorm schwierig, andererseits aber überhaupt erst notwendig. Die Studie begegnet dieser Unvorhersehbarkeit, indem vier unterschiedliche Szenarien für die Schweiz – sicher übertragbar für westliche Länder – im Jahr 2050 skizziert werden:

Kollaps. Internationaler Handel ist so gut wie inexistent. Lokale Gemeinschaften sind nicht mehr in nationale oder supranationale Organisationen eingebunden und müssen sich in den Ruinen einer globalisierten und industrialisierten Welt neu organisieren.


Gig-Economy-Prekariat. Maschinen haben viele Jobs übernommen und für technologische Arbeitslosigkeit gesorgt. Anstatt in eine neue Branche zu wechseln, wenden sich die Betroffenen einer neuen Beschäftigungsform zu: der Gig-Economy. Als digitale Tagelöhner buhlen sie in einer durchökonomisierten Welt um rar gesäte Jobs.


Netto-Null. Die Hoffnung, dem Klimawandel mit Fortschritt und Technologie entgegenzutreten, ist verflogen. Das einzige Wirksame: einschneidende persönliche Einschränkungen. Das übergeordnete Ziel ist die vollständige Reduktion von CO2-Emissionen. Wie das erreicht wird, unterscheidet sich je nach Region. Denn um Bereitschaft und Akzeptanz für persönliche Einschränkungen zu gewährleisten, werden diese auf möglichst lokaler Ebene festgelegt.


Vollautomatisierter KI-Luxus. Maschinen haben den Menschen viele Jobs abgenommen. Von den Früchten dieser Arbeit profitieren alle. Menschen können alles, müssen aber nichts. Sie stehen damit vor der Herausforderung, ihrem Leben Sinn zu stiften und angesichts der überlegenen künstlichen Intelligenzen ihre persönliche Autonomie zu bewahren.


Die Studie betont, dass diese Szenarien keine Prognosen mit 25%iger Eintrittswahrscheinlichkeit, sondern Eckpunkte eines Möglichkeitsraumes sind. Für jede dieser Welten leitet die Studie Fähigkeiten und Eigenschaften ab, die notwendig sind, um darin zu bestehen und zu gedeihen und die im Bildungssystem Eingang finden sollten. Die Ungewissheit der Zukunft und die Verschiedenartigkeit der vier Szenarien legen den Schluss nahe, dass es unmöglich ist, Kinder und Jugendliche auf die Zukunft vorzubereiten. Je stärker die Zukunft von der heutigen Welt abweichen wird, desto weniger dienen bestehende Institutionen und Erfahrungen als Orientierungshilfen – und desto mehr sind zukünftige Generationen auf sich allein gestellt. Kompetenzen der Selbstbestimmung wie Eigenantrieb, Selbstwirksamkeit und die Fähigkeit, in Gruppen Entscheidungen zu treffen, sind dementsprechend in allen Szenarien wichtig.


Future Skills bedeutet aber nicht nur, flexibel auf mögliche Zukünfte reagieren zu können. Es be- deutet auch, die Zukunft zu gestalten. Der gesellschaftliche Gestaltungsspielraum wird im Westen jedoch kaum wahrgenommen, da spätestens seit dem Ende des Kalten Krieges die Zukunft privatisiert wurden. Aus gesellschaftlichen Zielen wurden persönliche Ambitionen. Die Zukunft ist damit zu etwas geworden, das uns zustösst und mit dem wir uns zu arrangieren haben. Um zur Gestaltbarkeit zu befähigen, schlägt die Studie die drei Kategorien „Wissen“, „Wollen“ und „Wirken“ als Kompetenzen für die Zukunft vor.


Die neue GDI-Studie «Future Skills» steht unter www.gdi.ch zum kostenlosen Download bereit. Abb.: GDI


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