• Hartmut Kamphausen

Warum BPA-frei wichtig bleibt

- HINTERGRUND -

Die Diskussion um Bisphenol A (BPA) ist schon einige Jahre alt. Auch wenn BPA-freie Produkte heute in vielen Produktsegmenten der Standard sind, sollte beim Einkauf nach wie vor auf die entsprechende Kennzeichnung geachtet werden. Denn die Industriechemikalie ist weiterhin in Produkten zu finden – und sie ist nicht gesünder geworden.

Während viele Produkte für den Tisch BPA-frei sind, ist dies bei den Innenbeschichtungen von Getränke- und Konservendosen nicht immer so klar. Foto: Pixabay

Mitte des ersten Jahrzehnts der 2000er Jahre wurde von der EFSA, der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, eine groß angelegte Studie zur Bewertung und Einschätzung der Aufnahme von Bisphenol A durchgeführt, um die Richtwerte für die geltenden Obergrenzen zu überprüfen. Die hormonähnlich wirkende Substanz kann, wie es die Bundesanstalt für Risikobewertung zusammenfasst, „in Gegenständen aus Polycarbonat enthalten sein, auch in solchen, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen.“ Als Beispiele werden Trinkflaschen oder Geschirrteile angeführt, früher wurde die Substanz auch bei der Herstellung von Babyfläschchen verwendet. Bisphenol A kann darüber hinaus auch in der Innenbeschichtung von Getränke- und Konservendosen enthalten sein. Außerdem zu finden ist BPA auch als Farbbildner in sogenannten Thermopapieren für Thermodrucker und -faxgeräte. In verschiedenen Segmenten ist die Substanz zwischenzeitlich ersetzt worden oder andere Techniken haben die Verwendung von Produkten mit BPA überflüssig gemacht. Laut Bundesanstalt für Risikobewertung sind die aufgeführten Produkt- und Einsatzbereiche die relevanten Quellen für die Aufnahme von BPA durch den Menschen – die Substanz kann aus Verpackungen und (Aufbewahrungs-)Dosen und Schalen in Lebensmittel diffundieren – andere Bereiche wie zum Beispiel Spielzeug, kosmetische Produkte oder Hausstaub haben eine geringere Relevanz.


Absenkung des empfohlenen Aufnahmewertes


Im Rahmen weiterer Untersuchungen in den Folgejahren wurden die empfohlenen Werte für die Aufnahme von BPI durch den Menschen nach unten korrigiert. Gab es im Jahr 2006 noch eine Empfehlung, die bei einem Wert von 50 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht lag, wurde dieser zwischenzeitlich auf vier Mikrogramm nach unten korrigiert. Studien der EFSA haben ergeben, dass in Europa lebende Personen im Durchschnitt zwischen einem und 1,5 Mikrogramm BPA pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen und damit unter dem von der Behörde empfohlenen Wert liegen.


Zwar wurde 2011 BPA in Babyflaschen in Europa verboten, in zahlreichen Verpackungen wie in den Beschichtungen der bereits angesprochenen Getränke- und Konservendosen wird die Substanz weiter eingesetzt. Hier besteht bislang laut einer Zusammenfassung des Bundesamtes für Risikobewertung keine Kennzeichnungspflicht. Insofern findet nach wie vor eine Aufnahme des Stoffes über die Nahrung statt. Und wenn Thermopapiere im Einsatz sind, wie beispielsweise bei Fahrscheinen, findet die Aufnahme über die Haut statt. Deshalb hier die Empfehlung des Bundesamtes, Kinder nicht mit solchen Papieren spielen zu lassen.


Umso wichtiger ist es, bei der eigenen Ausstattung von Trinkflaschen, Brotdosen, Boxen oder Geschirr auf die klare Kennzeichnung der Produkte als BPA frei zu achten – auch wenn dies für viele Hersteller und im Gefühl der Konsumentinnen und Konsumenten heute Standard ist. Eine abschließende Bewertung der Wirkung von BPA, wie allerdings auch von Ersatzstoffen, steht bis heute noch aus und nach wie vor werden Studien zur Klärung durchgeführt. Auch wenn also schon lange diskutiert und von vielen Anbietern gehandelt wird, bleibt das Thema zu beobachten.


www.bfr.bund.de


#bessernachhaltig


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