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Wendt & Kühn: Jeder Handgriff muss sitzen

Autorenbild: Christine Dicker
Christine Dicker
14. Aug.
4 Min. Lesezeit

- HINTERGRUND -

Im Juli 2026 hat Wendt & Kühn seine zweite Figur in Partnerschaft mit der World Childhood Foundation, die sich weltweit für den Schutz von Kinderrechten einsetzt, auf den Markt gebracht. Kurz darauf habe ich Thomas Rost, Marketing- und Vertriebsleiter, sowie Lena Sabotta, Leiterin Marken- und Unternehmenskommunikation, zu einem sehr kurzweiligen Besuch in Grünhainichen getroffen.


Von links: Thomas Rost, Marketing- und Vertriebsleiter, und Lena Sabotta, Leiterin Marken- und Unternehmenskommunikation, von Wendt & Kühn.
Von links: Thomas Rost, Marketing- und Vertriebsleiter, und Lena Sabotta, Leiterin Marken- und Unternehmenskommunikation, von Wendt & Kühn.

Hier in dem 3.500 Einwohner zählenden Ort im Erzgebirge entstehen in der Manufaktur die Engel mit den grünen Flügeln und den elf Punkten darauf – das charakteristische Merkmal der kleinen Figuren, die weltweit so beliebt sind. Wendt & Kühn ist aber vielmehr. Einen ersten Eindruck gewinnt man bereits im Showroom des Unternehmens: Im historischen Musterschrank, der sich über die komplette Breite eines Raumes erstreckt, sind Schätze aus der langen Vergangenheit des Unternehmens – das seit 1915 besteht –, zu sehen. Neben den berühmten Engeln sind das auch Wand- und Spieluhren, Blumenkinder, Handelsleute, Tiere und vieles mehr. Im Showroom selbst zeigt das Unternehmen zudem immer wieder Ausstellungen zu wechselnden Figurengruppen oder Epochen und Fassetten der Firmengeschichte.


Die beiden Engel (links der in diesem Jahr erschienene) die in Partnerschaft mit der World Childhood Foundation entstanden sind.
Die beiden Engel (links der in diesem Jahr erschienene) die in Partnerschaft mit der World Childhood Foundation entstanden sind.

Das aktuelle Verkaufssortiment umfasst etwa 450 Artikel. Jedes Jahr werden etwa zehn bis 15 Produkte letztmalig gefertigt und „wandern“ dann für viele Jahre in das Musterarchiv. „Ebenso viele Figuren kehren aus dem Archiv zurück. Welche das sind, darüber entscheiden wir in einem Gremium“, erklärt Thomas Rost. Bis so eine Wiederauflage dann auf den Markt kommt, dauert es meist zwei Jahre“, so Rost. „Jeder Handgriff muss sitzen.“


Wenn eine Figur aus dem Archiv wiederaufgelegt wird, dann achtet man bei Wendt & Kühn auf eine möglichst detailgenaue Wiedergabe. Hilfreich dabei ist, dass es zu fast jeder Figur aus dem Fundus Zeichnungen gibt. Zu der Länge und Größe der einzelnen Bestandteile, den Winkeln, wie Arme und Beine angeschnitten werden müssen, den Durchmessern von Korpus oder Kopf.


In dieser Abteilung werden Figuren restauriert.
In dieser Abteilung werden Figuren restauriert.

Denn jede Figur von Wendt & Kühn ist aus vielen, vielen einzelnen Teilen zusammengesetzt. Diese werden in Grünhainichen gedrechselt (entweder komplett automatisiert oder halb automatisiert, größere Stücke auch von Hand), anschließend ausschließlich manuell nachbearbeitet (zum Beispiel die Schrägen für die Arme), von Hand zusammengesetzt und verleimt, um dann anschließend im Tauchbad eine Grundlasur zu erhalten. Bis sie dann abschließend aufwendig und sehr präzise von Hand bemalt werden. Es sind also viele Arbeitsschritte nötig, bis eine Figur aus dem Archiv wieder „neu geboren“ ist.


„Das aktuelle Sortiment wird zudem jährlich um Neuentwicklungen ergänzt, zum Beispiel um den Engel mit Teddy für die World Childhood Foundation“, erzählt Thomas Rost. Jede Neuheit entspringe mit ihrer Anmutung und Ausstrahlung dem Musterschatz.



Das Archiv spielt also nach wie vor eine große Rolle bei Wendt & Kühn, nicht nur bei den Neuheiten und Wiederauflagen, sondern auch in der Abteilung, in der von Kunden eingeschickte und in die Jahre gekommene Figuren restauriert werden. Dieser Service werde, so Lena Sabotta, sehr gut angenommen. So gut, dass es lange Wartezeiten gebe. Von verblasster Malerei bis hin zu einem abgebrochenen Flügel oder einem nicht mehr laufenden Spielwerk reicht das Spektrum der Beschädigungen, die auf dem Tisch der Mitarbeiterinnen landen, die die Reparaturen ausführen. Dann ist es gut, im Fundus nachschauen zu können, wie das Original der meist alten Figuren einmal aussah.


Das Firmengebäude von Wendt & Kühn in Grünhainichen.
Das Firmengebäude von Wendt & Kühn in Grünhainichen.

Große Bedeutung haben auch die für die Malereien verwendeten Farben. Diese werden mit viel Feingefühl in Grünhainichen eingesetzt – in der Reparaturabteilung, aber vor allem in der Malerei. „Fertig gemischt nach unseren Vorgaben erhalten wir vom Hersteller nur wenige Farben – beispielsweise das Flügelgrün. Alle anderen circa 400 Farben werden von zwei Mitarbeiterinnen, die der Malerei vorstehen, selbst angemischt. Dazu gehört ein sehr geübtes Auge“, erklärt Lena Sabotta beim Rundgang durch die Manufaktur. Das brauchen die Malerinnen auch, aber vor allem eine ruhige Hand, um zum Beispiel die fein gezeichneten Gesichter zu malen. Nicht nur hier wird deutlich, was die meisterhafte Handarbeit des Unternehmens ausmacht.


Alle Figuren von Wendt & Kühn werden von Hand bemalt. Das erfordert viel Übung und eine ruhige Hand.
Alle Figuren von Wendt & Kühn werden von Hand bemalt. Das erfordert viel Übung und eine ruhige Hand.

Thomas Rost freut sich, dass die Nachfrage nach den Produkten von Wendt & Kühn ungebrochen hoch ist. „Der Umsatz gegenüber dem Vorjahr ist stabil. Hier zeigt sich, dass das, was geliebt wird, nach wie vor gekauft wird“. Aber auch die Grünhainichener spüren den Wandel im Handel, es gebe weniger Geschäfte, die sich auf Volkskunst aus dem Erzgebirge konzentrieren. Dafür präsentieren mehr Fachgeschäfte aus dem Bereich gedeckter Tisch die Wendt & Kühn Produkte. „Das verändert die Warenpräsentation, was von uns begrüßt wird.“ Die Nachfrage nach Neuheiten nehme zu. Das habe auch die erste Figur für die World Childhood Foundation gezeigt, die 2024 startete und weltweit auf 25.000 Exemplare limitiert ist. Jetzt sei sie so gut wie vergriffen. „Die zweite Serie, die wir im Juli auf den Markt brachten, ist ohne Limitierung und wird so lange produziert, wie sie gefragt ist.“


Große Figuren werden noch von Hand gedrechselt. Die einzelnen Teile der anderen Figuren teils in halb- bzw. in vollautomatischen Drechselmaschinen.
Große Figuren werden noch von Hand gedrechselt. Die einzelnen Teile der anderen Figuren teils in halb- bzw. in vollautomatischen Drechselmaschinen.

Wendt & Kühn gibt es nicht nur im stationären Fachhandel, man kann das komplette Sortiment auch in Online-Shops der Händler und über den Versand aus der Manufaktur kaufen. „Wir achten auf Gleichbehandlung der Kanäle. Der Handel soll an der Marke Freude haben“, so Thomas Rost.


Sie machen es gut in Grünhainichen, schöpfen aus einem umfangreichen Fundus, pflegen eine alte Handwerkskunst und sind dennoch modern und aktuell. Das zeigt auch die App, die gerade den ersten Relaunch erfährt, und als digitales Sammelheft fungiert.





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