top of page
  • AutorenbildChristine Dicker

Ein Familienunternehmen schreibt Küchengeschichte

Aktualisiert: 1. Dez. 2022

- HINTERGRUND -

 

Als 1994 Microplane seine ersten Reiben mit den messerscharfen Klingen vorstellte, da war das eine kleine Revolution, die die Küchenwelt schnell begeisterte. Heute hat das US-Unternehmen ein kleines Reiben-Imperium aufgebaut und jüngst mit der Vorstellung der Black Sheep Serie den Markt wieder überrascht. Grund genug für tischgespraech.de mit Marcin Ziomek, dem Geschäftsführer der Microplane International GmbH & Co. KG, Hamburg, zu sprechen.

tischgespraech.de: Als 1994 die messerscharfen Reiben von Microplane kamen, war das eine kleine Revolution. Wie war damals die Resonanz am Markt?

Marcin Ziomek: Ehrlich gesagt, sensationell. Keiner von uns hätte je gedacht, dass ein kleines Familienunternehmen aus Russellville aus dem US-Bundesstaat Arkansas einmal Küchengeschichte schreiben würde. Nachdem eine Hausfrau eine Holzreibe von Microplane in der Küche eingesetzt hatte und über das Reibergebnis so begeistert war, verbreitete sich diese Geschichte wie ein Lauffeuer unter den Kochbegeisterten. Hobby- wie Profiköche tauschten untereinander ihre Kocherlebnisse aus und wurden zu leidenschaftlichen Unterstützern der Marke. Als dann die bekannte Köchin und Kochbuchautorin Julia Child die Zester Reibe in ihrer Kochsendung einsetzte und die Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey diese Reibe in ihrer Sendung als Must-Have in der Küche vorstellte sowie ein Bericht in der „New York Times“ erschien, ging der Absatz sprichwörtlich durch die Decke. Heute genießt unsere Reibe Kultstatus und wird von den Hobby- wie Profiköchen weltweit geliebt.

tischgespraech.de: Am Anfang standen die Zester-Reiben, heute ist das Sortiment viel größer. Wie viele Artikel gehören heute zum Microplane-Sortiment?

Marcin Ziomek: In der Tat fing alles mit der Zester Reibe an, deren Klinge auch heute noch in unveränderter Form angeboten wird. Hatte die Ur-Zester Reibe keinen Griff, so besitzt sie heute einen Soft-touch Griff, den es in unterschiedlichen Farben oder mit lustigen und trendigen Aufdrucken gibt. Insgesamt umfasst das Microplane über 50 Artikel, davon 12 verschiedene Klingen und fünf unterschiedliche Reibserien. Hinzu kommen dann noch Mühlen und spezielle Küchenwerkzeuge.


Diese Reibserien unterscheiden sich einerseits im Design, andererseits auch in den Materialien bei den Griffen.


tischgespraech.de: Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Marktbegleiter mit einem ähnlichen Angebot – hat das Microplane Marktanteile gekostet?

Marcin Ziomek: Es ist schon verwunderlich, wie viele Hersteller und Anbieter in der Zwischenzeit sich dem Thema Reiben gewidmet haben. Zeitweise konnte man den Eindruck gewinnen, als würde den anderen Marktbegleitern keine anderen Produkte einfallen. In den USA hatten wir 20 Jahre ein Patent auf unsere Reiben. Als wir auf den europäischen Markt kamen, mussten wir unsere Geschichte neu erzählen und uns als Marke etablieren.

Heute wird Microplane als der Pionier der Photo-Etching Technologie bei Reiben gesehen. Wir haben es geschafft, nicht nur das Reiben zu revolutionieren, sondern auch, dass Reiben zu einer eigenständigen Kategorie in der Haushaltswarenbranche wurde. Microplane hat eine über 50jährige Erfahrung in Photo-Etching und entwickelt diese Technologie ständig weiter, so dass das Unternehmen über ein einzigartiges Wissen über die Herstellung rasiermesserscharfer Klingen verfügt. Wir sind nicht nur das Original, sondern auch der Reiben-Spezialist schlechthin.


Unsere Fachhandelspartner, die Hobby- und Profiköche sowie Endverbraucher wissen, dass Microplane-Reiben die wohl schärfsten photo-geätzten Klingen der Welt besitzen.

tischgespraech.de: Wie beziffern Sie heute ihren Marktanteil? Wo ist Microplane in der Welt überall vertreten, wo liegen die Hauptmärkte?

Marcin Ziomek: Unser Marktanteil lässt sich sehr schwer beziffern Es ist ja auch eine Frage, wie differenziert Sie dies betrachten? Im Markt gibt es ja nicht nur Reiben mit photo-geätzten Klingen, sondern auch, die in einem anderen Produktionsverfahren hergestellt werden. Jedoch kann ich Ihnen eines sagen: unter den Herstellern von photo-geätzten Klingen nimmt Microplane eine führende Rolle ein. Fakt ist, dass Microplane als einziger Reiben-Spezialist auf dem Markt agiert. Es gibt keine andere Marke, welche die Kompetenz im Bereich Küchenreiben durch vergleichbare Vielfalt und Qualität an Klingenausführungen und Modellen aufweisen kann.

Unser Hauptmärkte sind USA und in Europa. Insbesondere Deutschland, Frankreich, Skandinavien und die Benelux-Länder sind unsere stärksten Märkte. In anderen Ländern arbeiten wir mit Vertriebspartnern zusammen, so dass Microplane auf der ganzen Welt vertreten ist.


tischgespraech.de: Zester-Reiben sind nach wie vor das Hauptprodukt von Microplane – wie schafft man es, immer wieder neue Produkte zu etablieren, um das Interesse hoch zu halten? In welche Richtung gehen die Neuentwicklungen?

Marcin Ziomek: Bei der Entwicklung unseres Sortiments bemühen wir uns, unsere Kernkompetenz - das Photo- Etching- Verfahren - so weit wie möglich einzusetzen, um neue Produkte von höchster Qualität zu liefern. Denken Sie beispielsweise an die Schüsselreibe oder an unsere Gewürzmühlen. Ohne die rasiermesserscharfen, photo-geätzten Klingen wäre die überzeugende Funktionalität nicht denkbar. Gleichzeitig gehen wir auch neue Wege beim Design. Ein sehr gutes Beispiel ist hier die Masterserie. Ein stylisch, stabiler Rahmen trifft auf elegantes Waldnussholz aus Kentucky. Das Ergebnis ist eine Reibenserie, die ihresgleichen sucht.

Unseren Klassiker, die Zester-Reibe, haben wir gerade dieses Jahr in einer komplett neuen Farbenwelt auf den Markt gebraucht. Die elf neuen Farben verleihen diesem Top Seller noch mehr Stil und Ausdruck. Oder denken Sie an die gerade neu in den Markt eingeführte Black Sheep Serie, die übrigens im Fachhandel sehr gut ankommt. Erstmalig hat Microplane eine Reibenserie mit PVD-Beschichtung herausgebracht, die vom Griff bis zur Klinge komplett in Schwarz ist. Diese sehen nicht nur sehr stylisch aus, sondern begeistern auch durch ihre hervorragende Funktionalität.


Wir schauen natürlich auch auf Food Trends und auf Produkte, die vielleicht nicht wirklich innovativ sind, wie beispielsweise ein Schäler. Wir versuchen, dieses Küchenwerkzeug noch besser und funktioneller zu machen.


Unser Anspruch bleibt immer der gleiche: Microplane bietet erstklassige Produkte in hervorragender Qualität, die technisch auf dem neuesten Stand sind.


tischgespraech.de: Die Materialkosten steigen, ebenso wie die Energiepreise – wie ist die Situation für Microplane? Gab es 2022 Preiserhöhungen, wird es weitere geben?

Marcin Ziomek: Auch wir spüren die teilweise extrem steigenden Kosten. Aus diesem Grund musste Microplane in 2022 eine Preisanpassung vornehmen. Dabei war es uns wichtig, zum einen keine Preiserhöhungen auf Kosten unserer Handelspartner vorzunehmen, andererseits die Preisanpassungen punktuell durchzuführen. Die Artikel, für die aus unserer Sicht die Preisstabilität essentiell wichtig ist, waren von der Anpassung nicht betroffen. Wiederum andere Produkte, bei denen relativ geringfügige Implikationen auf das Konsumverhalten durch eine Preiserhöhung zu erwarten waren, wurden preislich angepasst.


Leider sind die Aussichten auf die Entwicklung aller operativen Kosten weiterhin eher negativ. Die Inflation wird nach dem Erreichen des Peaks nur langsam wieder zurückgehen. Somit werden wir nächstes Jahr mit weiteren schwierigen Entscheidungen diesbezüglich konfrontiert werden.


tischgespraech.de: Thema Nachhaltigkeit: Was tut das Unternehmen in dieser Hinsicht? Und wo wird produziert?

Marcin Ziomek: Microplane produziert die Klingen ausschließlich in unserer eigenen Fabrik in Arkansas (USA). Dabei wird nur hochwertigster Edelstahl eingesetzt, der auch in der Produktion unserer medizinischen Instrumente zum Einsatz kommt. Dieser Stahl der höchsten Qualitätsstufe ist wesentlich härter als jener Stahl, der üblicherweise bei der Herstellung von Küchengeräten verwendet wird. Die Endmontage der Produkte geschieht entweder in unserer eignen Fabrik in Mexiko oder im einem Partnerunternehmen in China.


Wir schauen auch gerade nach nachhaltigen Materialien, die wir als Alternative zu Plastik einsetzen können. Bei der Verpackung sind wir hier schon einen Schritt weiter. Seit fast drei Jahren wird kein Plastik mehr verwendet, sondern nur noch Papier.


Den größten Beitrag zu weniger Abfall leisten jedoch unsere Produkte. Denn durch die außerordentliche Qualität und hohe Langlebigkeit halten die Produkte über viele Jahre hinweg.

tischgespraech.de: Stichwort D2C: Hat Microplane einen Online-Shop für Endkunden?

Marcin Ziomek: Microplane ist nur im B2B tätig und betreibt keinen eigenen Online Shop, um nicht in Konkurrenz zu unseren Handelspartnern zu stehen.


tischgespraech.de: Noch eine letzte Frage: Die Weltlage ist kritisch, die wirtschaftlichen Aussichten unsicher. Wie sehen Sie das weitere Potential für Ihre Marke? Und werden Sie auf der Home of Consumer Goods Ambiente ausstellen?

Marcin Ziomek: Microplane wird im Februar 2023 auf der Frankfurter Messe ausstellen. Wir sind sehr gespannt, wie das neue Messekonzept von den Kunden angenommen wird und freuen uns auf die Gespräche auf unserem Stand in Halle 9.0 E06.


Besonders in den wirtschaftlich kritischen Zeiten spielen Markenstärke und Alleinstellungsmerkmale der Produkte eine entscheidende Rolle. Marken mit klarem Profil und nachhaltigen Geschäftsmodellen werden durch die Krisen gestärkt kommen. Ohne Zweifel erleben wir zurzeit erhebliche Herausforderungen. Die Art und Weise, wie man in den kritischen Entscheidungssituationen agieren muss, wird einen besonders signifikanten Einfluss auf das weitere Geschäftsgeschehen haben. Die letzten Jahre waren für Microplane sehr erfolgreich. Wir sind voller Zuversicht, dass wir auch in der Zukunft ein Fels in der Brandung sein werden und sich Microplane als starker Partner für den Fachhandel auszeichnet.


tischgespraech.de: Herr Ziomek, vielen Dank für das Gespräch!

0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Personal-Wechsel bei Hey-Sign

- NEWS - Katharina Günther wird nach fünf Jahren erfolgreicher Leitung von Hey-Sign ihre Position als Geschäftsführerin aufgeben. Sie bleibt im Untrenehmen und wird ab August 2024 als Head of Sales ih

bottom of page