• Christine Dicker

30 Jahre Philippi – ein Interview mit Inhaber Jan Philippi

Aktualisiert: 2. Aug.

- HINTERGRUND -

 

Wer an Philippi denkt, der hat Produkte in sanften organischen Formen, oft aus Metall, vor Augen. Jetzt, zum 30. Geburtstag, hat das Unternehmen fünf seiner Bests-of-Artikel in einer limitierten Edition in einem Goldton herausgebracht. Darüber und natürlich auch, wie alles anfing, hat tischgespraech.de mit Firmengründer und Inhaber Jan Philippi gesprochen.


„Ich bin heute viel emotionaler, aber auch viel kompromissloser geworden,“ erklärt Jan Philippi auf die Frage, wie er seine Design-Handschrift heute beschreiben würde. Denn es ist der Inhaber, der für die Marke Philippi steht, sie geprägt hat. Noch heute kommen zahlreiche Designs von ihm (sie sind im Katalog gekennzeichnet mit dem Namen Flip), er entscheidet, welche Entwürfe es in die Kollektion schaffen. Aber von Anfang an …


Vor 30 Jahren kehrte Jan Philippi nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Honkong nach Deutschland zurück. Dort, in Asien hatte der chinesisch sprechende Hamburger für seinen damaligen Chef ein Unternehmen aufgebaut. Und eben dieser Chef bot ihm an, in Hamburg weiter für ihn zu arbeiten, meinte aber, dass er sich mit seinem Know-how am besten selbstständig machen sollte. Mit den Worten „...Du bist ein kreativer Kopf, Du hast alle Kontakte in Asien“ ermutigte er den damals 32jährigen Jan Philippi. Der zögerte nicht lange und startete mit einem, bald zwei und schließlich insgesamt vier Einzelhandelsgeschäften, in denen er seine eigenen Entwürfe verkaufte. Denn das war ihm wichtig: seine eigene Linie zu gestalten und anzubieten. Die zeigte bereits damals die weichen, organischen Formen, setzte auf Haptik, Oberfläche und Gefühl. „Du musst glücklich sein, wenn Du die Produkte anfasst,“ so beschreibt Jan Philippi seine Intention. Marmor, Glas, Leder oder Stahl wurden von ihm bevorzugt verwendet, „mir sind die reinen, natürlichen Materialien wichtig.“ Wobei sich bald herausstellte, dass er am besten mit Stahl arbeiten, sich damit am besten verwirklichen konnte.

Rund 150 eigene Entwürfe standen in diesen ersten Geschäften in Hamburg – zu wenige Artikel, um damit ein Geschäft zu füllen. Also führte er auch Sortimente von anderen Unternehmen, zu denen er gute Kontakte entwickelte, die teilweise bis heute bestehen. Und warum gleich mehrere Geschäfte? „Ganz einfach: Ich musste ja bei meinen Produzenten größere Mengen in Auftrag geben, damit sich die Herstellung für diese lohnte. Und das waren dann einfach zu große Mengen, um sie in nur einem Geschäft zu verkaufen.“


Als eine sehr herausfordernde Zeit hat der Hamburger diese Zeit erlebt – auf der einen Seite die vielen Aufgaben, die mit der Führung mehrerer Einzelhandelsgeschäfte verbunden waren, auf der anderen Seite der Druck, ständig neue Produkte zu entwerfen und deren Herstellung und Lieferung zu überwachen.


Irgendwann merkte er, dass dieser Spagat so nicht funktionieren kann, gab seine Geschäfte an Franchisenehmende ab und konzentrierte sich ganz auf sein eigenes Sortiment. „Die Initialzündung war, dass viele der Handelsvertreter und Handelsvertreterinnen, die mich in meinen Geschäften besuchten, fragten, ob sie meine Entwürfe mit verkaufen dürften.“ Und schon tat sich für ihn ein Weg auf, einen Vertrieb aufzubauen. Erste eigene Schritte dafür hatte er zwar schon mit einem Stand auf den Hamburger Einkaufstagen getan (der heutigen Nordstil), im dritten Jahr nach der Firmengründung war er schon auf der Ambiente vertreten. Doch erst die Handelsvertreter und Handelsvertreterinnen eröffneten ihm neue Möglichkeiten.

Jan Philippi lässt in Asien produzieren, damals wie heute. „Ich habe auch nach herstellenden Unternehmen in Europa gesucht, musste aber feststellen, dass es einfach niemanden gab, der meine Entwürfe fertigen konnte.“ Dann also nach Asien, und speziell nach Indien und China. Übrigens, der vor vielen Jahren entworfene Brieföffner ist ebenso wie die damals designte Geldscheinklammer auch heute noch im Sortiment. Das spricht für sich…


Und jetzt kommen wir auf Jan Philippis Aussage zurück, dass er heute emotionaler und kompromissloser sei. „Früher war ich bei den Formen toleranter, ging mehr Kompromisse ein, weil ich wusste, dass es meine produzierenden Unternehmen nicht anders hinbekommen. Das mache ich heute nicht mehr, ich bin da viel klarer geworden. Es muss gut bzw. perfekt sein – wenn nicht, dann kommt das Produkt nicht. Ich bin aber auch emotionaler geworden, einfühlsamer. Und damit auch farbiger, wie der Goldton der limitierten Geburtstagskollektion zeigt. Aber auch Kupfer und Bronze finde ich spannend,“ erklärt er.


Nach wie vor stellt er die Frage, wenn er ein neues Produkt entwirft: „Will ich das wirklich haben? Bin ich dafür bereit, den Preis zu zahlen, was es kostet?“ Eine solche Denke nennt man Kundenzentrierung, sich genau in die Bedürfnisse der Konsumierenden zu versetzen. „Meine Zeit als Einzelhändler hilft mir bei diesem Prozess auch heute noch enorm.“

Das Sortiment von Philippi umfasst heute mehr als 500 Produkte, jedes Jahr kommen 100 bis 120 neue hinzu - ebenso viele fliegen raus. Die Entwürfe dafür stammen natürlich nicht mehr alle von Jan Philippi. Im Laufe der Jahre, als die kleine, feine Marke immer bekannter wurden, haben viele Design-Schaffende dem Unternehmen ihre Entwürfe angeboten. „Auch da musste ich lernen, konsequent zu sein, nur das zu akzeptieren, was zu uns passt.“ Geblieben ist die Liebe zum Metall, das Material mag Jan Philippi einfach, es ist für ihn nachhaltig, weil auch langlebig. In Verbindung mit einem guten Design ist es für ihn unschlagbar. „Dazu kommt, dass die Herstellungsorte für Metall Indien und China sind – meine Produktionsstandorte. Ich verwende das Material vor Ort.“


Jan Philippi hat hart gearbeitet, um seine Marke aufzubauen und um da hin zu gelangen, wo er heute mit seinem Unternehmen (zu dem 22 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gehören) steht. Dem es übrigens sehr gut geht, und das 50 % seiner Produkte in 52 Länder weltweit exportiert. Durch die Pandemie sei man gut gekommen, nicht zuletzt wegen des D2C-Vertriebs übers Internet. Der sei nicht zuletzt auch wegen der Ersatzteilbestellung für Endkonsumierende wichtig. „Aber,“ so Jan Philippi, „wir halten uns natürlich zu 100 % an die UVPs.“ „Dennoch – jeder Tag ist eine Herausforderung, gerade jetzt in diesen Zeiten, in denen Material- und Transportkosten ständig steigen. Ich versuche, mich nicht verrückt zu machen und smart zu sein.“ Das erklärt Jan Philippi am Beispiel der Lieferketten: Häufig verzögere sich die Fertigstellung eines Produktes, weil zum Beispiel eine oder zwei Komponenten fehlten. Die smarte Lösung sei es, nicht zu viele Materialien für ein Produkt zu verwenden, das reduziere die Abhängigkeit von Lieferanten. Und das führe automatisch auch zu mehr Nachhaltigkeit … Stichwort Recycling oder Upcycling.


Jan Philippi wurde Mitte Juli 62 Jahre alt, ans Aufhören denkt er aber noch lange nicht. „Ich freue mich auf die vielen Herausforderungen, die noch kommen, und darauf, mehr Zeit zu haben, mich um die Qualität und die Darstellung der Produkte zu kümmern.“ Damit er das kann, hat er seinen Neffen Jonas Philippi mit ins Unternehmen genommen, der kümmert sich seit zwei Jahren um den Vertrieb. „Mein ganzes Denken zielt darauf, durch gute Produkte, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit aufzufallen“, fasst Jan Philippi seine Unternehmensphilosophie zusammen. Das gelingt ihm gut. Glückwunsch! Und nicht nur zum Geburtstag...

www.philippi.com





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