• Hartmut Kamphausen

A Nitro, please

Aktualisiert: 6. Dez 2019

- HINTERGRUND -

Der Cold Brew Nitro-Kaffee ist ein relativ junger Trend, der, wie so manches, über den Atlantik zu uns schwappt. Seine intensiven Aromen machen ihn zu einem besonderen Kaffee-Erlebnis. Über das Potenzial des Getränkes auch für den Handel sprachen wir mit Giuseppe Messina, Experte für Food- und Flavour-Pairing und Berater von iSi.


tischgespraech.de: Wie stark ist der Trend des "Nitro-Kaffees" in Deutschland angekommen?

Giuseppe Messina: Hierzulande ist diese Variante des Kaffees noch nicht so sehr verbreitet, viele wissen noch nicht, worum es sich dabei handelt und kennen den Begriff eventuell durch Pepsi Nitro oder andere Erfrischungsgetränke, vielleicht aber auch durch das Guiness-Bier, das beim Zapfen mit Nitro, also Stickstoff, aufgeschäumt wird. Die großen Kaffee-Ketten haben aber Nitro-Kaffee ins Sortiment aufgenommen, so dass sich die Bekanntheit langsam weiter entwickeln wird. Kaffee-Freaks werden das Thema kennen, aber in der Breite ist es in Deutschland noch nicht entwickelt.


tischgespraech.de: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass sich die Breitenwirkung noch nicht eingestellt hat?

Giuseppe Messina: Das hängt insbesondere mit unserer gelernten Wahrnehmung von Kaffee zusammen: ein heißes Getränk, das einen spezifischen Duft verbreitet, der bei uns die Sinne anregt. Oft verbindet sich diese Wahrnehmung noch mit anderen Komponenten wie einem Stück Kuchen - insgesamt also eine „Belohnungs-Situation“. Damit kann ein Cold Brew-Kaffee nicht dienen. Was der Breitenwirkung aber insbesondere entgegensteht, ist die gleiche Herangehensweise an die beiden Getränke. Wir müssen realisieren, dass es sich bei dem einen um ein Heißgetränk und bei dem anderen um ein Erfrischungsgetränk handelt. Wenn das verstanden wird, besteht die Chance auf die breite Akzeptanz.


tischgespraech.de: Was ist das Neue an Nitro-Kaffee?

Giuseppe Messina: Bei diesem Getränk müssen wir uns von dem verabschieden, was wir bislang an Geschmackserfahrungen mit Kaffee gemacht haben. Zunächst einmal wird durch das langsame Cold Brew-Verfahren ein intensiver Kaffee mit hohem Koffeingehalt erzeugt, der dann aromatisch noch einmal durch das Aufschäumen mit Stickstoff aufgeladen wird. Während ein Getränk durch die Zugabe von Kohlensäure belebender und erfrischender wird, reichert der Stickstoff die Aromen an, macht das Getränk intensiver und runder - das Richtige also, um sich in der heutigen Zeit eine genussvolle Auszeit zu nehmen.


tischgespraech.de: Wenn die Aromen und der Geschmack intensiver wird, ist sicher auch die Qualität des Kaffees von großer Bedeutung für einen guten Nitro-Kaffee, oder?

Giuseppe Messina: Absolut! Ein hochwertiger Kaffee ist verpflichtend für einen Nitro-Kaffee. Darin liegt bei diesem Trend auch eine Chance für einen spezialisierten Handel, hier beispielsweise hochwertige Röstungen von kleinen Röstereien anzubieten, die sich besonders für diese neue Art von Kaffeetrinken eignen. Durch die Kombination von Kaffee und Zubereitungsverfahren lassen sich dann, ganz wie beim Wein, Anbaugebiete und sogar Terroires erschmecken.


tischgespraech.de: Wird denn der Nitro-Kaffee auch zum Frühstück oder nach dem Essen getrunken?

Giuseppe Messina: Wie eben bereits erwähnt, ist ein Cold Brew Nitro-Kaffee kein Kaffee im für uns klassischen Sinn. Deshalb sind auch die Gelegenheiten, einen solchen zu trinken, andere. Aber in ein Essen lässt sich ein solcher Kaffee hervorragend einbinden, zum Beispiel im Rahmen eines Desserts. Überhaupt ist Kaffee ein ausgesprochen interessantes Element im Essen, das überraschende Geschmackserlebnisse eröffnet.


tischgespraech.de: Sie sprechen vom Cold Brew Nitro-Kaffee als einem Erfrischungsgetränk, wie wird er denn am besten getrunken?

Giuseppe Messina: Man kann ihn natürlich als kalten Kaffee trinken, der durch das Aufschäumen mit Stickstoff eine hohe Aromafülle hat. Wir machen aber sehr gute Erfahrungen damit, diesen Kaffee als Cocktail anzubieten. Das funktioniert sowohl mit alkoholischen wie mit nicht-alkoholischen Zusätzen. Das Schöne daran: Durch die Geschmacksintensivierung durch den Stickstoff wird auch die Intensität eines Wodkas erhöht - nicht der Alkoholgehalt. Man kommt dadurch mit geringeren Mengen der zugesetzten Getränke zu intensiven Geschmackskompositionen. Und der passende Rahmen dafür ist eher eine Bar als ein Frühstückscafé.


tischgespraech.de: Wie groß ist denn der Aufwand zur Herstellung von Cold Brew Nitro-Kaffee, wenn man beispielsweise zu Hause solche Cocktails anbieten will?

Giuseppe Messina: Cold Brew ist ein langsames Brühverfahren, insofern braucht man etwas Geduld. Man kann das Brühen über einen Filter oder ein quasi kaltes French-Press-Verfahren durchführen, der Zeitfaktor ist jeweils entscheidend. Der Stickstoff wird dann über einen Siphon wie beispielsweise dem iSi Nitro zugeführt. Das ist in der Gastronomie wie auch zu Hause das einfachste und bequemste Verfahren.


tischgespraech.de: Eignet sich das Thema aus Ihrer Sicht für Workshops oder Veranstaltungen bei einem Händler?

Giuseppe Messina: Aus meiner Sicht ist das Thema sehr lohnend für Kundenevents im Handel. Denn die Vielfalt der umsetzbaren Rezepte und die zu kreierenden Geschmacksüberraschungen ist enorm groß. Dagegen ist der Aufwand überschaubar. Und mit iSi steht ein kompetenter Ansprechpartner für solche Veranstaltungen bereit. Wichtig ist aber, und das muss noch einmal betont werden: Niemand sollte eine solche Veranstaltung als Kaffeeseminar oder ähnliches ausloben. Wir haben es mit einem vollkommen anderen Getränk zu tun, das im Namen Kaffee führt, aber eine neue Kaffeewelt erschließt.


www.giuseppemessina.de


ww.isi.com/kulinarik


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