• Hartmut Kamphausen

Es geht um die Kohle

Aktualisiert: 26. Sept 2019

- HINTERGRUND -

Eigentlich geht es beim Grillen ja eher um die Wurst. Aber in Zeiten großer Veränderungen erhalten Fragen eine Relevanz, die vorher weniger Beachtung gefunden haben. Zum Beispiel: Woher kommt die Hitze auf dem „Kohle“grill?


Im letzten Jahr wurden über 234.000 t Holzkohle nach Deutschland importiert. Der größte Teil davon wird genutzt, um die Hitze fürs Grillen zu erzeugen. Bei einem Faktor von etwa eins zu vier lässt sich errechnen, wie viele Tonnen Holz notwendig sind, um diese Menge Grillholzkohle zu erzeugen. Der Verbrauch ist in den letzten Jahren ohne markante Ausschläge geblieben (s. www.statista.de) , die anderen Beheizungsarten der Grills liegen deutlich hinter der Holzkohle zurück, so etwa verwenden circa elf Prozent (Stand 2017) der Griller Gasgrills.


Im übrigen hat eine Ökobilanz-Studie des TÜV Rheinland vom Beginn der 2010er-Jahre ergeben, dass die Art des Grillens (Holzkohle, Gas- oder Elektrogrill) für die Umwelt längst nicht so wichtig ist, wie die Auswahl des Grillguts. Nahezu 95 Prozent der anfallenden klimarelevanten Emissionen werden durch das Grillgut verursacht. Tierische Produkte beispielsweise belasten die Umwelt über den gesamten Lebensweg weit mehr als Gemüse. (s.a. https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/essen-trinken/grillen#textpart-2)


Holzkohle mit Zertifikat

Der Barbecue Industry Association Grill e.V. (BIAG), der europäische Industrieverband für Hersteller und Händler von Grillgeräten, Brennstoffen, Anzündhilfen sowie grillaffinen Produkten, will mit der Einführung des BIAG-Siegels und dem Zertifizierungsprogramm für legale Holzkohle und Holzkohlebriketts eine Orientierung im Holzkohlesegment liefern. „Durch das Anerkennen und Belohnen legaler Praktiken bei der Holzkohleherstellung wollen wir sowohl einen Beitrag zum Schutz, zur Erhaltung und zur legalen Bewirtschaftung der Wälder gerade auch in Tropenländern als auch zur unbelasteten Freude beim Grillen mit Holzkohle und Holzkohlebriketts leisten“, sagt Norbert L. Jedrau, Managing Director der BIAG. Die Anforderungen, die für die Vergabe des BIAG-Siegels zu erfüllen sind, entsprechen dem Maßnahmenkatalog des FLEGT Aktionsplanes, dessen wichtigste Säule die Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR) ist. Das BIAG-Siegel fordert vor allem von importierenden Unternehmen zentrale Nachweise für den Ausschluss von illegalen Holzquellen. Dazu muss jeder Importeur ein auf seine Lieferkette ausgerichtetes betriebliches Sorgfaltspflichtverfahren erstellen und anwenden, das sich auf drei zentrale Säulen stützt: Informationen, Risikobewertung und Risikominderung. BIAG geht noch einen Schritt weiter und verlangt zusätzlich zur Dokumentenprüfung noch eine Produktprüfung. Für die Vergabe des BIAG-Siegels ist also nicht nur das Herkunftsland und die Lieferkette entscheidend sondern auch die Holzart der Holzkohle oder der Holzkohlebriketts. www.biag.org


Wir sprechen mit Norbert L. Jedrau über die Holzkohle in den Zeiten der Flugscham. Das Interview lesen Sie im Newsletter im Oktober.


Bio-Holzkohle


Das bayerische Startup Nero setzt bei der Herstellung von Holzkohle auf heimisches Hartholz (überwiegend Buchen- und Eichenholz) und bietet die derzeit einzige Holzkohle mit Bio-Zertifizierung an. Auf die Idee kamen Aaron Armah (36), Jakob Hemmers (36) und Rolf Wagner (36) auf einer Reise durch Ghana. Wo einst hunderte Jahre alte Mahagoni- und Teakbäume standen, gibt es heute nur noch tote Erde.



Das Unternehmen verwendet ausschließlich von Naturland zertifiziertes Hartholz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Die weitreichenden Richtlinien von Naturland enden dabei nicht bei den Bäumen, sondern beziehen den Schutz aller Lebewesen mit ein. Für Nero kommen zudem nur naturbelassene Restholzer in Frage, die aufgrund ihrer Beschaffenheit für die Möbelindustrie ungeeignet sind. Die Produktion erfolgt in einem mehrfach für Umweltschutz und Nachhaltigkeit prämierten Holzkohlewerk in Frankreich. Geschäftsführer Jakob Hemmers: „Von der Holzgewinnung bis zur Kohleherstellung: bei uns muss jeder Schritt der Produktion unserem Anspruch an Nachhaltigkeit gerecht werden.“ Aufgrund innovativer Verkohlungsverfahren schafft es Nero, Grillkohle umweltfreundlich herzustellen und zudem eine besonders hohe Qualität der Grillkohle zu sichern. Und ganz nebenbei wird bei der Kohleproduktion – aus überschüssiger Energie – auch noch Strom für 10.000 Haushalte gewonnen. www.nero-grillen.de


Alternativen zur Holzkohle


Zur klassischen Holzkohle werden vermehrt Alternativen angeboten, mit denen der Grill angefeuert werden kann. Für die Produktion von Grillkohle aus Olivenkernen oder auch Kokosnussschalen werden Reste verwendet, die bei der Herstellung und Produktion von Lebensmitteln oder Gebrauchsgütern anfallen. Eine neue Erfindung ist Grillkohle beispielsweise aus Kokosnussschalen nicht, sie wurde schon vor mehreren Jahrhunderten in Südasien und Afrika genutzt. Unabhängig von ihrer Form ist Grillkohle aus Kokosnussschalen nach Herstellerangaben ergiebiger im Vergleich zu herkömmlicher Holzkohle. Die Größenordnungen werden mit 30 Prozent höherer Hitze und bis zu dreimal längerer Glut angegeben. Nach dem Grillen kann die Kohle gelöscht und noch zwei bis drei mal wieder verwendet werden.


Grillglut aus dem Maisfeld


Mit der Verwendung von abgeernteten Maisspindeln zum Grillen macht man vermeintlichen Abfall zum wertvollen Energielieferanten. Die Firma Grillmais aus Alfter bei Bonn importiert die sorgsam getrockneten Maisspindeln aus Italien. Sie bleiben beim Abernten der Maiskörner übrig und sind eigentlich ein reines Abfallprodukt. Als Grillmais bekommen sie einen neuen, überaus umweltfreundlichen Nutzen. Zudem ist die Zeitspanne vom Entzünden bis zur fertigen Glut im Vergleich zur Holzkohle sehr viel kürzer, das Handling gelingt ganz ohne schwarze Finger und die Rauchentwicklung ist sehr gering. Auch verursacht tropfendes Fett keine Flammen.



Grillmais eignet sich ausgesprochen gut für spontanes Grillen, erzeugt nach Herstellerangaben Temperaturen von bis zu 800 Grad, nur wenig Rauch und keine Emissionen. Die für Grillmais verwendeten Spindeln sind frei von Gentechnik. Und: Unternehmensgründer Mario Sacilotto spendet von jedem verkauften Sack Grillmais zwei Cent an die Organisation „Help – Hilfe zur Selbsthilfe“. www.Grillmais.de


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