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  • AutorenbildChristine Dicker

Schneidwarenindustrie in der Krise

- NEWS -

 

Seit mehr als 28 Jahren ist Jens-Heinrich Beckmann Geschäftsführer des IVSH – er hat mit dem Industrieverband Schneid- und Haushaltswaren schon viele Krisen durchgestanden. Doch die aktuelle Lage erscheint selbst ihm außergewöhnlich, wie das Solinger Tageblatt berichtet.

So seien die Umsätze bei Kochgeschirr, Pfannen und Küchenhelfer im ersten Halbjahr 2023 um 5,7 %, die bei Schneidwaren sogar um 15 % eingebrochen. Das hat selbst Beckmann in seiner langjährigen Tätigkeit noch nicht erlebt. Allerdings, so der Verbandsgeschäftsführer weiter, habe sich diese Entwicklung bereits 2022 abgezeichnet. Bei der Ambiente 2023, bei der der Verband traditionell Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr präsentiert, berichtete er von einem Gesamtumsatz der Branche von 2,35 Mrd € - das ist ein Minus von fast 7 % im Vergleich zu 2021. Laut Beckmann zeichne sich, basierend auf den Zahlen des ersten Halbjahres 2023, ab, dass diese Zahlen noch einmal unterboten werden. Nur in der Besteckindustrie, traditionell ein enger Partner von Hotel, Gastronomie und Catering, sei mit 0,5 % ein leichtes Plus zu verzeichnen.


Beckmann rechnet nicht damit, dass diese Entwicklung sich zum Jahresende ändern werde. „Ich denke nicht, dass wir in diesem Jahr noch die große Trendwende erleben. Es wird zwar ein Weihnachtsgeschäft geben, aber nicht auf dem Niveau der Vergangenheit,“ sagt er dem Solinger Tageblatt.

Die Gründe für die Krise sind vielfältig und bekannt: Hohe Lagerbestände, ein schleppender Abverkauf und stark gestiegene Preise für Rohstoffe und Energie, um nur einige Faktoren zu nennen. Das hat Auswirkungen auf die Branche, so Beckmann. So habe zum Beispiel Zwilling am Solinger Standort Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt, auch bei Wüsthof kommt diese Maßnahme zum Einsatz. Ein akute Gefährdung sieht Beckmann aktuell noch nicht, das können sich aber ändern, wenn im kommenden Jahr die Nachfrage nicht anziehe.


Wer Jens-Heinrich Beckmann kennt, der weiß, dass er trotz allem stets positiv nach vorne blickt. So sieht er mittel- und langfristig dennoch gute Perspektiven für die Branche. Zwar sei die Produktion in Deutschland im ersten Quartal um 5,5 % eingebrochen, dem vorausgegangen war aber eine zwischen 2017 und 2022 ein kontinuierliche Positiventwicklung. Nicht zuletzt dank der Automatisierung sei es den Unternehmen gelungen, mehr Produkte vor Ort herzustellen. Das sorgt für größere Unabhängigkeit, eine bessere Lieferfähigkeit und vor allem mehr Nachhaltigkeit. Gerade letzteres ist für viele Verbraucher mittlerweile ein starkes Argument, das vor allem über den Fachhandel kommuniziert werden kann. Es bleibt spannend beim IVSH, Ende September treffen sich die Mitglieder zu ihrer jährlichen Versammlung in Dresden. Beckmann wird berichten, welche Themen die Gespräche dominieren.

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