• Christine Dicker

Von Greenwashing und Nose to tail

Aktualisiert: 4. Mai

- HINTERGRUND -

 

„Weniger und besser wird im Mittelpunkt stehen, reduziert und außergewöhnlich nachhaltig und intuitiv“. Das sagt Li Edelkoort, die berühmteste Trendforscherin der Welt. Doch gerade mit der Nachhaltigkeit ist das so eine Sache. Jeder fordert sie ein, immer mehr Unternehmen setzen darauf, bewerben darum ihre Produkte als nachhaltig. Etwas genauer hinzusehen ist jedoch ratsam, denn auch das Thema Greenwashing nimmt zu. In diesem Artikel erklären wir Begriffe rund um das Thema.


Als nachhaltig bezeichnen wir etwas, das lange hält, lange verwendet wird, dabei umweltverträglich ist. Ziel ist es, bei einem nachhaltigen Lebensstill achtsam mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen, damit sie erhalten bleiben.


Greenwashing

Greenwashing oder Greenwash ist eine kritische Bezeichnung für PR-Methoden, die darauf zielen, einem Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image zu verleihen, ohne dass es dafür eine hinreichende Grundlage gibt. (Quelle: Wikipedia). Ein Produkt erhält ein „grünes Etikett“, ist aber eigentlich gar nicht grün. So werden zum Beispiel Aussagen verwendet, die keinen Wert haben. Wie beim Haarspray, das als FCKW-frei beworben wird. Dies ist aber schon lange eine gesetzliche Grundlage. Oder Unternehmen verwenden selbst erfundene Labels, wie Henkel für Persil.


Recycling


Beim Recycling werden Abfallprodukte wiederverwertet bzw. deren Ausgangsmaterialien werden zu Sekundärrohstoffen. Die so produzierten Stoffe werden als Recyclat oder Regenerat bezeichnet. Recyclingprodukte haben sich in unserer Gesellschaft etabliert.


Wie zum Beispiel recyceltes Papier, das qualitativ einem Frischfaserpapier heute in nichts mehr nachsteht. Es hat einen ergleichbar hellen Weißton, lässt sich ebenso gut verarbeiten und auch die Alterungsbeständigkeit ist identisch.

Auch Glas kann beliebig oft ohne Qualitätsverlust recycelt werden – allerdings nur solange Sortenreinheit gewährleistet ist. Das bedeutet: Aus Glasflaschen werden neue Glasflaschen hergestellt, sie können allerdings nicht für Fensterglas genutzt werden. Dieses hingegen kann zu Glasflaschen downgecycelt werden.

Der finnische Glashersteller Iittala verarbeitet die Glasabfälle, die bei der Nachbearbeitung, beim Gießen und bei der Qualitätskontrolle anfallen weiter. Bereits heute landet kein Altglas mehr auf Mülldeponien – es beispielsweise als Rohstoff für die Bauindustrie oder für die Herstellung von Dämmstoffen wiederverwendet. Zusätzlich sammelt das Unternehmen für seine 100% recycled Kollektion so viel Altglas wie möglich, um in Zukunft daraus noch mehr neue Glaswaren herzustellen.


Die Produkte der recycled Glas Kollektion sind ebenso langlebig, klar und hochwertig, wie Artikel aus neuem Glas, zeigen aber einige kleine Blasen und visuelle Variationen. Das macht sie einzigartig. Laut Iittala erfordert die Herstellung von Objekten aus 100% recyceltem Glas übrigens sowohl eine Weiterentwicklung der Produkte, als auch der Produktion. Im Vergleich zu Glas aus neuen Rohstoffen bringt u. a. das Sammeln, Zerkleinern und Einschmelzen des bei der Produktion anfallenden Altglases zusätzliche Schritte im Herstellungsprozess mit sich. Dessen Verwendung ist aufwendiger, als die Herstellung mit neuen Rohstoffen. Da sich das wieder eingeschmolzene Glasmaterial anders als die aus neuem Rohstoff hergestellte Glasmasse verhält, wird das Fachwissen der Glasbläser von Iittala vor neue Herausforderungen gestellt.


Recycling von Kunststoffen


Das Frauenhofer Institut hat im September 2021 ein Positionspapier zum Thema „Recyclingtechnologien für Kunststoffe“ veröffentlicht, aus dem wir hier zitieren: Kunststoffe sind aus unserem Leben nicht wegzudenken, so sorgen sie zum Beispiel auch als Verpackung dafür, dass unsere Lebensmittel länger haltbar sind. 4 bis 6 % der heutigen Erdölförderung werden für Kunststoffe benötigt, bis 2050 soll sich dieser Anteil auf 20 % erhöhen – so die Prognose. Entlang der Produktionskette entstehen nicht nur beträchtliche CO2-Emissionen, am Ende des Produktionslebenszyklus stellen die Menge sowie die vielfältigen Arten und Zusammensetzungen von Kunststoffen eine Herausforderung für das Recycling dar. Bei unsachgemäßer Entsorgung schädigen sie zudem die Ökosysteme, z.B. als Mikroplastik im Ozean.

2019 wurden in Deutschland 12,1 Mio Tonnen Kunststoffe verbraucht. 6,23 Mio Tonnen davon fielen als Post-Industrieller Abfall an. Davon wurden 46,6 % in Recyclinganlagen verwertet, deren Ausschuss (den Frauenhofer nicht beziffert) sowie die restlichen 52,8 % wurden in Müllverbrennungsanlagen oder als Ersatzbrennstoff verwendet. Diese 46,6 % - das entspricht 2,92 Mio Tonnen – wurden werkstofflich recycelt, der Anteil des Kunststoffabfalls, der rohstofflich, zum Beispiel chemisch, recycelt wird, betrug 2019 nur 0,1 %.


Beim werkstofflichen Recycling, einem etablierten Verfahren, werden Kunststoffabfälle in mechanischen oder physikalischen Sortier-, Wasch- und Mahlprozessen aufbereitet. Die werkstofflichen Eigenschaften wie auch die Zusammensetzung des Kunststoffs bleiben weitgehend erhalten. Dieses Verfahren eignet sich vor allem für sortenreine Kunststofffraktionen. Ist der Kunststoff aber heterogener, ist er verschmutzt, kontanimiert oder enthält er Füllstoffe wie Glas, dann kommt das werkstoffliche Recycling an seine Grenzen. Bestimmte Kunststoffsorten wie zum Beispiel Duroplaste oder faserverstärkte Kunststoffe, sind werkstofflich kaum verwertbar.


Chemisches Recycling: Dieses Verfahren verändert, anders als werkstoffliche Verfahren, die Struktur der Polymerketten in den Altkunststoffen. Sie werden in kleinere Moleküle oder Monomere aufgespalten. Bei den Depolymerisationsverfahren (also der Aufspaltung der Polymerketten) handelt es sich meist um lösemittelbasierte oder um thermochemische Prozesse. Für nahezu alle Kunststoffe gibt es technisch machbare, rohstoffliche Recyclingverfahren, allerdings sind erst wenige Verfahren industriell umgesetzt. Um eine Steigerung der Kreislaufführung von Kunststoffen zu erreichen, ist eine Ergänzung der werkstofflichen Verfahren durch alternative Ansätze und Kombinationen aus werkstofflichen und cehmischen Verfahren erfoderlich.


Upcycling

Beim Upcycling werden Abfallprodukte oder (scheinbar) nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt. Im Gegensatz zum Downcycling kommt es bei dieser Form des Recyclings zu einer stofflichen Aufwertung. Die Wiederverwertung oder Nachnutzung von bereits vorhandenem Material reduziert die Verwendung von Rohstoffen. Beispiele für Upcycling können zum Beispiel Taschen aus ausrangierten Segeln oder LKW-Planen sein. Oder Sonnenbrillen aus Schallplatten.


Downcycling


Downcycling bezeichnet die Wiederaufbereitung von Materialien, wobei jedoch nicht die ursprüngliche Qualität erhalten bleibt – stattdessen findet eine Abwertung statt. Das kann zum Beispiel ausrangierte Bekleidung sein, die geschreddert und als Dämmamterial verwendet wird.


Abschließend erklären wir noch zwei Begriffe aus der Kulinarik, die ebenfalls den Gedanken der Nachhaltigkeit verfolgen.


Nose to tail


Bereits 1999 hat der britische Koch Fergus Henderson in seinem Kochbuch „Nose to Tail Eating“ dieses Konzept erklärt. Es bedeutet ganz einfach, dass man alle essbaren Teile des geschlachteten Tieres – vom Kopf bis zum Schwanz – verwertet.


Leaf to root


Das ist das Prinzip Nose to tail für Vegetarier, also vom Blatt bis zur Wurzel alls verzehrt wird. Am Beispiel der Karotte heißt das, dass aus der Schale eine Gemüsebrühe entsteht und dem Grün ein Gemüse. Auch Bananen- oder Melonenschalen sind essbar. Den Begriff geprägt hat die Foodautorin Esther Kern – und das bereits 2014.

#bessernachhaltig



0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen