• Hartmut Kamphausen

Bar oder mit Karte?

Aktualisiert: 5. Feb.

- HINTERGRUND -

 

Die Frage nach der Art des Bezahlens beantworten Kundinnen und Kunden immer öfter mit „Karte“. Das belegen nicht allein die Umfragen von Marktforschern und Verbänden. Auch die Nachfrage vor Ort zeigte die Entwicklung hin zum bargeldlosen Bezahlen. Dabei wird auch deutlich, dass es auch im Fachhandel nicht bei der Karte alleine bleiben wird.

Mehr als die Hälfte der im Rahmen einer Studie von ibi resaerch an der Universität Regensburg GmbH in Zusammenarbeit mit dem Digital Commerce Research Network (DCRN) Befragten hat vor der Corona-Pandemie am liebsten mit Bargeld bezahlt. Dieser Anteil ist in den vergangenen Monaten signifikant gesunken: Nur noch 34 Prozent haben ihre Einkäufe bar gezahlt, nach Ende der Pandemie planen lediglich 39 Prozent wieder hauptsächlich Bargeld zu verwenden.

Vor allem die EC-Karte erfreut sich bei den Käufergruppen des Fachhandels nach wie vor großer Beliebtheit: „Wir bieten bargeldloses Zahlen mit EC- und Kreditkarte an, auch die Möglichkeit über Apple Pay ist aktiv. Den weitaus größten Teil machen aber EC-Karten aus,“ berichtet uns Thomas Grimme von Bleywaren in Cloppenburg. Dem stimmt Michael Grossmann von der Fritz Grossmann KG in Friedrichshafen zu: „Wir bieten die bekannten Möglichkeiten an (EC/Giropay/Master/Visa/Amex) und am Häufigsten wird nach wie vor die EC-Karte genutzt.“ Für ihn liegt dies möglicherweise auch daran, dass sein Haus an einem Paycentiveverfahren mit der Sparkasse Friedrichshafen bei Zahlung mit der EC-Karte teilnimmt, das eine Rückvergütung von einem Prozent am Monatsende direkt aufs Konto einbringt. „An Samstagen ist das Verhältnis bis zu 85 Prozent der Kundinnen und Kunden, die mit der Karte bezahlen,“ berichtet Christoph Engelhardt, Geschäftsführer bei der Bessey & Flammer GmbH in Bühl. „Dennoch“, so Engelhardt weiter, „gibt es viele Kunden, die vehement auf der Zahlung mit Bargeld bestehen.“


Wenn, dann auch kontaktlos


„Die Nutzung des bargeldlosen Zahlens hat sich seit der Coronazeit von 40 Prozent auf fast 80 Prozent erhöht. Das liegt mit Sicherheit an der Hygiene und der Aufforderung, mit der wir an der Kasse dafür werben“ ist Michael Grossmann überzeugt. Nicht allein das bargeldlose Bezahlen ist dabei auf dem Vormarsch, für viele soll es dann auch die kontaktlose Variante sein, die ihre steigende Beliebtheit durch die gesteigerten Hygienemaßnahmen erfährt: Sowohl bei der Girocard (+ 12 Prozent) als auch bei Kreditkarten (+ 4 Prozent) wurde häufiger kontaktlos durch Auflegen auf das Kassen-Terminal bezahlt. Der Großteil der Kundinnen und Kunden, die dieses Verfahren wählen, möchte das auch zukünftig beibehalten, berichtet die Studie.


Thomas Grimme sieht auch ein Umdenken bei den Kundinnen und Kunden: „Ja, Kundinnen und Kunden sind darauf sensibilisiert und nutzen häufiger die Kartenzahlung kontaktlos.“ „Die Anzahl der Kartenzahlungen nimmt weiterhin zu, gerade die kontaktlose Zahlung mit Karte, Handy oder iWatch“, berichtet deshalb auch Christoph Engelhardt.


Die Methoden außerhalb der Klassiker EC-Karte und Kreditkarte, die Engelhardt anführt, sehen verschiedene Studien eher bei jüngeren Zielgruppen, so schreibt ibi resaerch, dass besonders die jungen Kundinnen und Kunden sich umorientiert haben und jetzt andere Möglichkeiten nutzen. Insgesamt zeigt die Studie, dass Zahlungen per Smartphone und Smartwatch eine noch immer geringe Nutzerbasis haben. Allerdings habe auch hier die Corona-Pandemie für leichten Aufschwung gesorgt: Vier Prozent der Befragten möchten nach Ende der Pandemie weiterhin mit dem Smartphone bezahlen, knapp ein Prozent mit einer Smartwatch.


Auch Allensbach liefert aktuelle Umfragedaten zum Thema, über die www.internetworld.de berichtet: „In Deutschland zeigt sich vor allem bei jüngeren Menschen ein Trend zum bargeldlosen Bezahlen. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der 16- bis 59-Jährigen gaben in einer Umfrage des Institutes an, an der Kasse bevorzugt mit Karte und/oder Smartphone zu bezahlen. Bei den über 60-Jährigen nutzen demnach gerade einmal 24 Prozent solche bargeldlosen Bezahlverfahren. Allerdings lasse die repräsentative Befragung von 1074 Menschen ab 16 Jahren auch bei den Älteren einen Wandel erkennen: Gaben 2018 noch 12 Prozent der über 60-Jährigen an, bevorzugt mit Karte zu zahlen, seien es heute bereits doppelt so viele.


Auch in dieser Studie wird dem kontaktlosen Bezahlen eine zunehmende Beliebtheit in allen Altersklassen attestiert. Lag der Anteil derjenigen, die mit ihrer Girocard kontaktlos zahlen, 2017 noch bei 7 Prozent, sind es nun 62 Prozent. Weitere 21 Prozent der Girocard-Inhaber können sich nach eigenen Angaben vorstellen, diese Funktion in Zukunft zu nutzen.


Wenn es um neue digitale Technologien geht, zeigen sich vor allem die 16- bis 29-Jährigen innovationsbereit. Die Zahlung per Smartphone ist bei ihnen überdurchschnittlich beliebt. Knapp jeder Sechste (15 Prozent) in dieser Altersgruppe sagt, an der Kasse grundsätzlich am liebsten mit dem Smartphone zu zahlen, ermittelt die Allensbach-Umfrage.


Angebotsspektrum weiter ausbauen


Für die befragten Fachhändler ist es keine Frage, dass das Angebotsspektrum weiter ausgebaut werden wird. Thomas Grimme: „Apple Pay ist mit unserem Dienstleister und damit mit unserem Terminal ebenfalls möglich und Bley hat auch ein Paypal-Konto, welches aber noch nicht für Zahlungen im Ladengeschäft genutzt wird. Diese Möglichkeiten werden wir aber sicher in Zukunft näher anschauen, um auch im Ladengeschäft dem Kunden die Zahlart zu bieten, die für ihn die bequemste ist – ganz ähnlich wie im Onlineshop.“


Beim Bezahlen im E-Commerce sieht die Studie vor allem Paypal in einer guten Position. So zahlen die Befragten bei Warenkörben unter 500 Euro bevorzugt mit dieser Zahlungsmethode. Besonders bei Einkäufen im Wert von unter 30 Euro stehe Paypal mit 49 Prozent an der Spitze (Rechnung 19 Prozent). Ab einem Betrag von über 500 Euro klettert die Rechnung mit 33 Prozent auf Platz eins (Paypal 27 Prozent). Auf Platz 3 der beliebtesten Zahlverfahren ab 30 Euro steht die Kreditkarte, stellt die Studie fest. Die teilweise resultierende Verschlechterung der Nutzerfreundlichkeit durch eine starke Kundenauthentifizierung (SKA) veranlasse rund ein Fünftel der Befragten dazu, ihre Kreditkarte seltener zu verwenden. Gleichzeitig schätzten aber 77 Prozent die gesteigerte Sicherheit durch die SKA und finden den Zusatzaufwand überschaubar.


Abzuwarten gilt es, wie sich die von Klarna angekündigte App entwickeln und welche Akzeptanz sie bei Handel und Kunden erfahren wird. Einen erste Einschätzung dazu hat www.sueddeutsche.de geliefert, die Klarna demnächst als „Gatekeeper“ über die Daten der Kaufenden sieht, die dann nicht mehr zu den Händlern gelangen, und sich den Service „fürstlich“ entlohnen lassen. Dazu gibt es noch einen interessanten Aspekt bei www.businessinsider.de.


Dass aber das Angebot der Bezahlverfahren im stationären Handel weiter ausgebaut werden muss, ist auch für Michael Grossmann keine Frage: „Die Nachfrage beispielsweise nach Apple Pay ist da, Paypal direkt an der Kasse bieten wir (noch) nicht – wir sind jedoch offen bei entsprechender angebotenen Technik hier das anzubieten.“ Denn für ihn ist eines klar: „Wenn der Kunde nicht so zahlen kann wie er will, wird Umsatz verhindert. Und das kostet mehr als irgendwelche Gebühren, die anfallen könnten.“

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