Das war die Ambiente 2026 – ein Rückblick
- Christine Dicker

- 9. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Feb.
- TRENDS -
Heute geht die Ambiente in Frankfurt zu Ende (und mit ihr auch die Christmasworld). Meine persönliche Bilanz: Es war eine schöne Messe mit guter Stimmung bei der es einiges zu sehen gab. Dennoch, die Gespräche mit den Ausstellern waren durchaus auch kritisch. Viele sind einfach frustriert von der Bürokratie, die ihnen im Alltag das Leben schwer macht. Und dann kam ja noch der Antidumpingzoll, der am 5. Februar verabschiedet und einen Tag später sofort in Kraft trat.
Worum geht es da? Die Europäische Kommission hat entschieden, dass die Einfuhr von Geschirr und anderen Artikeln aus Keramik für den Tisch- und Küchengebrauch mit Ursprung in der Volksrepublik China mit diesem Antidumpingzoll belegt wird. Der beträgt stolze 79 Prozent. Kein Pappenstiel. Diese Verordnung betrifft sehr viele Hersteller, und vor allem auch alle Container, die schon auf dem Wasser oder in der Luft unterwegs nach Europa sind. Einige der Unternehmen, mit denen ich gesprochen habe, haben einen Plan B in der Schublade, bei anderen sind es die Produzenten in China, die ihre Standorte in Nachbarländer verlegen. Wir werden sehen, wie sich diese Verordnung preislich auf die Keramiksortimente im Handel auswirken wird. Bei dem ein oder anderen Hersteller war am Messestand zu lesen, dass man zu diesem Zeitpunkt keine verbindlichen Preise nennen könne – eben aufgrund der neuen Situation.
Auch das ist eben Messe – der Austausch über das, was in der Branche so passiert. Das war teilweise schon sehr emotional, zudem ist man überrascht, wie viele Sortimente von diesem Antidumpingzoll betroffen sind.
Zurück aber zur „eigentlichen“ Messe: Mit 4636 Ausstellern (24 weniger als im Vorjahr) war das Messegelände wieder komplett ausgebucht. Die ein oder andere deutsche Marke, wie zum Beispiel Zwilling, ist zurückgekehrt, andere wiederum sind nach wie vor nicht dabei oder haben diesmal abgesagt. Das hängt nicht immer unbedingt mit dem Standort Frankfurt zusammen, sondern teils auch mit Sortiments- und Zielgruppenveränderungen, so dass andere Messen passender sind.
Zu den Besucherzahlen gibt es zum Zeitpunkt des Erscheinen dieses Newsletters noch keine offiziellen Zahlen. Mein persönlicher Eindruck war aber, dass die Gänge voll und viele Menschen unterwegs waren. Bilanz gezogen wird am heutigen Dienstag.
Zu sehen gab es viel in den Hallen, die Unternehmen waren produktiv, was Neuheiten angeht. Im Bereich Küche hat sich eines fortgesetzt, was sich 2025 bereits abgezeichnet hat: PFAS-frei ist das neue Mantra. Innovationstreiber, wie Woll, die bei diesem Thema Vorreiter waren, haben ihre PFAS-freie Beschichtung noch weiter optimiert und stellten in Frankfurt eine neue, noch bessere Beschichtung vor. Ein weiterer Trend sind stapelbare Kochgeschirre mit abnehmbaren Griffen – für kleine Küchen und für Menschen, die es einfach praktisch haben wollen. Die gab es zum Beispiel bei Zwilling, Joseph Joseph und auch wieder bei Woll zusehen.
Bei der Inszenierung des Thema Kochens fällt übrigens auf, dass wieder mehr Augenmerk aufs eigentliche Kochen, auf den sinnlichen Vorgang gelegt wird – der Mensch steht im Mittelpunkt. Das kann mit einem Profikoch sein, oder aber mit ganz „normalen“ Hobbyköchen in Szene gesetzt werden.
Gesundes Kochen – also mit wenig Fett oder mit einer schonenden Methode wie dem Dampfgaren – ist ebenfalls stark vertreten. Beim Thema Fett kommen wieder die Beschichtungen von Pfannen (und auch von Töpfen) ins Spiel, beim Dampfgaren hat Riess einen sehr schönen Turmgarer vorgestellt. Auch Lekúe hat etliche Produkte rund ums Dampfgaren für die Mikrowelle und den Backofen im Angebot.
A propos Verzicht auf Fett: Der Airfryer ist nach wie vor ein heißes Thema, dessen Marktpotential noch lange nicht ausgeschöpft ist. Die neuen Geräte sind – natürlich – PFAS-frei und bieten deutlich mehr Funktionen. Rommelsbacher hat zum Beispiel für seinen Airfryer den Kitchen Innovation Award erhalten, was bedeutet, dass Endverbraucher ihn getestet und für gut befunden haben. Auch der Markt für Zubehör rund um den Airfryer hat sich weiterentwickelt: Küchenprofi, Fackelmann wie auch Lekue stellen zahlreiche Zusatzprodukte, die gut zu den Heißluftfritteusen passen.
Küchenhelfer sind ebenso unverzichtbar – vor allem bei Gewürzmühlen tut sich einiges. Elegante Formen, nordisch zurückhaltende Farben gibt es bei
Peugeot, bei Cole & Mason und bei AdHoc. Dort war vor allem eine elektrische Mühle für Pfeffer und Salz der Renner, die automatisch erkennt, in welcher Mahlkammer gerade Energie benötigt wird. Microplane hat sich seine Mühlen für Muskat, Zimt & Co., also für großformatigere Zutaten, in einer neuen eleganteren Optik vorgestellt. Übrigens, 2026 ist das Jahr des Ingwers. Die Superknolle findet in der Küche vielfältigen Einsatz, eine besonders schöne Reibe dafür hat moHa!.
Wer in der Küche aktiv ist, der kommt natürlich an Messern nicht vorbei. Das Angebot wächst rasant, immer mehr Hersteller erweitern ihr Sortiment entsprechend. Aber auch die klassischen Anbieter wie Kai, Wüsthof und Zwilling legen nach – neben einer ausbalancierten und einer guten Klinge ist natürlich auch die Optik. Entweder mit funktionalen Griffen in Schwarz, in Holz natur oder eben bunt wie bei Wüsthof. Eine ganz andere Variante – mit einer Klinge in Tattoo-Optik – hat Deejo vorgestellt. Schließlich sind in vielen Küchen Messer stets sichtbar, also ein dekoratives Element, das auch gut aussehen soll.
Stichwort Farbe: Die nordischen Töne sind einfach nach wie vor stark. Aber auch Orange und Gelb setzen leuchtende Akzente. Zum Beispiel bei ASA Selection, aber auch bei Zyliss oder Rosenthal. Ein Soft Purple und ein helles Jeansblau sind ebenfalls gut vertreten, wie auch Grün in vielen Abstufungen: entweder soft oder ganz intensiv. Mit diesen Farbtönen wollen die Sortimente Ruhe und Entschleunigung vermitteln, als Gegenpol zu den stressigen, unruhigen Zeiten. Schwarz und Grau, die im vergangenen Jahr gerade viele Kollektionen dominiert haben, werden jetzt durch Farbe aufgelockert.
Auch Motive und Formen aus der Natur stehen für die oben genannte ruhige Stimmung – wunderbar umgesetzt zum Beispiel bei Räder, bei Villeroy &Boch oder bei Klatt Objects, um nur einige zu nennen. Wobei wir bei der Keramik wären – hier setzt sich fort, was 2025 anfing: Es wird wieder ein wenig eleganter auf dem Tisch.
Was gibt es sonst noch? Japandi, also eine Kombination von japanischem und skandinavischem Stil, greift ebenfalls das Thema Ruhe und Entschleunigung auf. Dieser Trend zeigt sich zum einen in Sets für das boomende Getränk Matcha, aber auch in einem reduzierten Design in naturnahen Farben.

































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