Die Top 5 Ernährungstrends für 2026
- Christine Dicker

- 19. Jan.
- 6 Min. Lesezeit
- TRENDS -
Wir sind mitten drin – im Veganuary, im Dry January und was uns noch so alles einfällt. Und genau diese Entwicklungen sind bezeichnend für die Veränderungen, die unsere Essgewohnheiten am besten beschreiben: Wir verzichten auf tierische Produkte, auf Alkohol, auf Zucker und anderes mehr. Alles mit dem Ziel, gesünder zu leben und besser zu altern. Diese Trends beeinflussen nicht nur, was wir essen, sondern auch wie wir es zubereiten und servieren.
Im vergangenen Jahr stand ich auf einer Wiese und habe Martin Ludwig von Liebherr aufmerksam zugehört. Dieser hat in einer Timeline sehr schön gezeigt, wie sich unsere Nahrungsmittel im Laufe der Jahre verändert haben. Noch bis in die 60er-Jahre haben wir frisch eingekauft, frisch gekocht, hatten wenig Zugriff auf Convenience-Produkte. Nicht zuletzt, weil die wenigsten Haushalte über einen Kühlschrank verfügten. Heute hat sich das grundlegend geändert: Wir haben die Wahl – frisch kochen, oder zur Tiefkühlware greifen, eine Dose öffnen, auf tierische Ersatzprodukte zuzugreifen. Das macht es einfacher und vielfältiger, zugleich aber auch komplizierter. Essen wird zudem individueller. Wenn man heute zum Essen einlädt, dann fragt man vorher: Wer hat welche Unverträglichkeiten? Wer isst vegetarisch oder vegan?
Eine vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) beauftragte repräsentative Forsa-Umfrage zum Ernährungsverhalten der Verbraucher in Deutschland zeigt aber auch, dass diese Fragestellungen nicht dogmatisch gehandhabt werden. Die Deutschen setzen beim Essen auf Wahlfreiheit und einen moderaten Wandel. Ideologisch aufgeladene Debatten rund um Vorgaben und Verbote, etwa zur Fleischbezeichnung für vegane Produkte („Veggie-Ban“), stehen demnach nicht im Vordergrund. Stattdessen rücken Geschmack, Preis und individuelle Entscheidungen der Verbraucher in den Mittelpunkt. Hinsichtlich der Bandbreite von pflanzlichen bis tierischen Produkten zeigt sich eine hohe Flexibilität anstelle einer Polarisierung.
Die Umfrage macht deutlich, dass Fleisch fester Bestandteil der Ernährung ist und bleibt: 52 Prozent sehen sich als omnivor, essen also Alles. Gleichzeitig ernähren sich 38 Prozent flexitarisch, vier Prozent vegetarisch und zwei Prozent vegan. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Realität der Verbraucher von einem „sowohl als auch“ anstatt eines „entweder, oder“ geprägt ist.
Auch zeigt sich, dass der Konsum weniger moralisch aufgeladen ist, als es die Debatten teils suggerieren: Entscheidend ist vor allem der Geschmack – mit 79 Prozent. Und auch der Preis der Lebensmittel ist ein wesentlicher Faktor: für 82 Prozent ist ein günstiger Preis wichtig. 39 Prozent der Befragten achten auch auf Tierwohl und 13 Prozent legen ein besonderes Augenmerk auf Bio-Qualität. Grundsätzlich ist 56 Prozent der Befragten die Kennzeichnung wichtig.
Auch beim Blick in die Zukunft zeichnen sich Bodenständigkeit und ein moderater Wandel ab: Mit Blick auf die nächsten drei Jahre wollen 94 Prozent ihre gewohnten Produkte weiterhin im Lebensmittelhandel bekommen. 40 Prozent wünschen sich mehr Tierwohlfleisch und neun Prozent wollen weniger tierische Produkte essen bzw. darauf verzichten.
„Essen ist Kulturgut und nicht Kulturkampf. Die Realität im Konsum ist von pragmatischer Flexibilität und nicht von Polarisierung oder Verzicht geprägt. Verbraucher wollen bewusst einkaufen, nicht grundsätzlich anders essen. Sie möchten selbst entscheiden, was auf den Teller kommt, und leben einen stetigen moderaten Wandel.
Die Umfrage zeigt, dass sich Verbraucher vorrangig an Geschmack und Preis orientieren und einen breiten, flexiblen Ernährungsstil leben. Dazu gehört auch eine moderate Wandlungsbereitschaft, Tierwohl ist und bleibt wichtig. Das Angebot im Handel wird von den Kunden positiv bewertet. Das breite Spektrum an tierischen und pflanzlichen Produkten in den Regalen entspricht den hohen Erwartungen.“, so Björn Fromm, BVLH-Präsident.
Weitere Informationen zur Umfrage unter: Aktuelle Umfrage zu Ernährungsgewohnheiten in Deutschland: BVLH
Zurück aber zum Veganuary: Gesünder leben, bewusster mit dem eigenen Körper umgehen und mentale Balance finden – diese Ziele stehen für viele Menschen auch 2026 ganz oben auf der persönlichen Prioritätenliste. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Ernährung. Ob zur Unterstützung der Verdauung, für mehr Energie im Alltag oder zur Prävention von gesundheitlichen Beschwerden – was auf unserem Teller landet, wird zunehmend als elementarer Einflussfaktor auf Gesundheit und Wohlbefinden verstanden. Doch welche Ansätze und Methoden gewinnen dabei messbar an Bedeutung und werden uns das kommende Jahr begleiten?
Um das herauszufinden hat Fit Reisen, ein Reiseveranstalter für Wellness- und Gesundheitsreisen, die 100 größten Gesundheitstrends für 2026 ermittelt – 28 davon fallen in den Bereich Ernährung. Grundlage der Auswertung ist die Entwicklung der Google-Suchvolumina über die vergangenen drei Jahre.
Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:
Fokus auf Verträglichkeit: Mit einem Wachstum von +2.316,67 Prozent führt fermentiertes Protein die Rangliste mit deutlichem Abstand an und zeigt, dass Verträglichkeit für viele Menschen wichtiger wird als reine Nährwertoptimierung.
Darmgesundheit gewinnt an Relevanz: Neben fermentiertem Protein sind auch die FODMAP-arme Diät (+135,71 Prozent; Platz 3) und die Darmkur (+41,36 Prozent; Platz 10) gefragt, die gezielt auf bessere Verträglichkeit und eine stabile Darmflora setzen.
Essen als Medizin: Statt lediglich „ausgewogen“ zu sein, wird Ernährung zunehmend als Instrument eingesetzt, um gezielt Beschwerden zu lindern oder Krankheiten vorzubeugen.
Die Top 5 Ernährungstrends für 2026
Platz 1: Fermentiertes Protein
Vor allem unter SportlerInnen erfahren Proteine in den letzten Jahren einen Hype, denn sie gelten als Baustein für Muskelaufbau, Zellregeneration und ein starkes Immunsystem. An die Spitze der Ernährungstrends 2026, mit einem durchschnittlichen Wachstum von +2.316,67 Prozent setzt sich jedoch eine besondere Form: fermentiertes Protein. Bei der Fermentation "verdauen" bestimmte Organismen das Lebensmittel quasi vor. Was unappetitlich klingt, ist ein echtes Plus: Die Proteine sollen so für den menschlichen Körper leichter aufzunehmen sein und wertvolle Probiotika liefern, die die Darmflora unterstützen und die Verträglichkeit verbessern.
Platz 2: Lithium-Ernährung
Nervennahrung im wahrsten Sinne des Wortes: Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass eine lithiumhaltige Ernährung eine schützende Wirkung auf das Nervensystem haben und sich positiv auf die psychische Gesundheit auswirken könnte. Lithium kommt in geringen Mengen ganz natürlich in vielen Lebensmitteln vor – insbesondere in Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen, Hülsenfrüchten, einigen Gewürzen, in tierischen Produkten sowie auch in unserem Trinkwasser. Während weitere wissenschaftliche Untersuchungen noch ausstehen, etwa um konkrete Ernährungsempfehlungen ableiten zu können, ist der Trend bereits bei uns angekommen: Mit einem Wachstum von +136,13 Prozent schafft es die Lithium-Ernährung auf den zweiten Platz.
Platz 3: FODMAP-Arme Diät
Mit einem Wachstum von +135,71 Prozent belegt die FODMAP-arme Diät den dritten Platz im Ranking. Der ernährungstherapeutische Ansatz zielt darauf ab, bestimmte kurzkettige Kohlenhydrate – sogenannte FODMAPs – zu reduzieren, die im Darm schwer verdaulich sind und insbesondere bei Menschen mit Reizdarm Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen oder ein unangenehmes Völlegefühl auslösen können. Werden entsprechende Lebensmittel zeitweise gemieden, kann sich der empfindliche Verdauungstrakt beruhigen und die Symptome können nachlassen. Wichtig dabei: Die FODMAP-arme Ernährung gilt als komplex und sollte idealerweise unter ärztlicher oder ernährungstherapeutischer Begleitung erfolgen.
Platz 4: MIND-Diät
Hinter der MIND-Diät steckt die simple Faustformel: Was gut für das Herz ist, nützt dem Gehirn ebenso. Der Ernährungsansatz kombiniert Elemente der mediterranen Ernährung mit der DASH-Diät, die bisher vor allem bei Bluthochdruck empfohlen wurden, und legt den Fokus gezielt auf die Unterstützung der Gehirngesundheit zur Vorbeugung von Alzheimer-Demenz. Die Diät setzt vor allem auf pflanzliche Lebensmittel wie grünes Blattgemüse, Beeren, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte sowie gesunde Fette, während der Verzehr von rotem Fleisch und stark verarbeiteter Lebensmittel reduziert wird. Angesichts einer alternden Gesellschaft und wachsender Aufmerksamkeit für mentale Fitness gewinnt das Konzept zunehmend an Relevanz, was sich in einem Wachstum von +106,25 Prozent niederschlägt.
Platz 5: Anti Entzündliche Ernährung
Arthrose, Rheuma, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen – die Liste an gesundheitlichen Beschwerden, bei denen Entzündungsprozesse eine Rolle spielen, ist lang. Entsprechend wächst das Interesse an einer Ernährung, die darauf abzielt, entzündliche Prozesse im Körper zu reduzieren. Im Fokus stehen dabei vor allem frische, möglichst unverarbeitete Lebensmittel wie Gemüse, Beeren, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen sowie omega-3-reiche Nahrungsmittel wie fetter Fisch oder hochwertige Pflanzenöle. Mit einem Wachstum von +86,59 Prozent belegt die anti-entzündliche Ernährung den fünften Platz unter den Ernährungstrends 2026.
Methodik
Zur Ermittlung der relevantesten Ernährungstrends für 2026 hat Fit Reisen eine umfassende datenbasierte Analyse durchgeführt. Insgesamt wurden über 400 thematisch Keywords rund um das Thema Gesundheit hinsichtlich ihres durchschnittlichen Google-Suchvolumens über einen Zeitraum von drei Jahren (2023 bis 2025) ausgewertet. Die untersuchten Begriffe wurden dabei sechs übergeordneten Kategorien zugeordnet: Sport & Fitness, Ernährung, Lebensstil, Entspannung, Mental Health sowie Naturheilkunde & Spiritualität.
Auf Basis der Suchvolumina wurde für jedes Keyword das durchschnittliche Wachstum innerhalb der vergangenen drei Jahre berechnet. Diese Betrachtung erlaubt eine fundierte Trendprognose, da sie langfristige Entwicklungen sichtbar macht und kurzfristige Ausschläge oder Modeerscheinungen ausklammert. Nicht berücksichtigt wurden Suchbegriffe mit einem negativen Wachstum sowie Keywords mit einem monatlichen Suchvolumen von unter 100. Auf diese Weise ergibt sich eine Rangliste der 100 größten Gesundheitstrends für 2026 – 28 davon fallen in den Bereich Ernährung.
Alle diese Entwicklungen wirken sich auf die Zubereitungsmethoden der Lebensmittel und auch die Art und Weise, wie sie serviert werden. Zubereiten mit weniger Fett – sei es im Airfryer oder in der Pfanne, schonendes Dämpfen im Steamer oder im Dampfkochtopf, all das liegt im Trend. Beim Servieren auf dem Tisch sind Bowls angesagt oder Porzellane zum Sharing – hier und da mal ein wenig snacken.
























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