Schneid- und Haushaltswaren 2026: Vorsichtig optimistisch
- Christine Dicker

- vor 11 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
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In einem herausfordernden Marktumfeld verzeichnet die deutsche Schneid- und Haushaltswarenindustrie weiterhin einen moderaten, aber kontinuierlichen Zuwachs. Im Jahr 2025 war in allen Segmenten ein Wachstum zu beobachten: Die Produktion konnte sowohl im Bereich der Schneidwaren als auch bei Bestecken und Haushaltswaren leicht gesteigert werden. Der Umsatz stieg je nach Segment um etwa zwei bis knapp fünf Prozent.
Im Detail: (1)
Produktion: Schneidwaren + 1,2 %, Bestecke + 2,16 %, Haushaltswaren (HKT) + 1,41 %.
Umsatz: Schneidwaren + 2,6 % (Korridor: +2,3% bis +2,9%), Bestecke + 1,9 % (Korridor +1,7% bis +2,1%), HKT + 4,2 % (Korridor: +4,0% bis +4,4%),
Inländische Produktionsauslastung (Daten nur für SW und Bestecke erhoben):
01/2024: 82%, 01/2025: 77,2%, 01/2026: 90,2%
Im Außenhandel zeigt sich ein gemischtes Bild: Zwar nehmen die Exporte zu (Export: Schneidwaren +3,2%, Bestecke 3,4%, Haushaltwaren +10%), doch Importe – z.B. aus China, hier auch von Onlineplattformen wie Temu – wachsen relational schneller (Import: Schneidwaren insgesamt +22,6%, Haushaltswaren +31,8%). Dieses Ungleichgewicht setzt Margen und Preissetzung zusätzlich unter Druck, insbesondere wenn es sich um Produkte von asiatischen Onlineplattformen handelt, die z.T. erhebliche Verstöße gegen europäische Verbraucher- und Produktsicherheitsvorschriften aufweisen und damit kein „level-playing field“ besteht.
So führte der IVSH in 2025 eine Temu-Testkaufaktion durch und ließ Produkte aus allen unseren Bereichen extern, durch ein anerkanntes und zertifiziertes Prüflabor, testen. Das Ergebnis überraschte negativ: Nicht eines der gelieferten Produkte erfüllte vollumfänglich die relevanten europäischen Verbraucher- und Produktsicherheitsvorschriften, inklusive z.T. gesundheitsgefährdender Grenzwertüberschreitungen.
Die Unsicherheit in der Handelspolitik verschärfen aktuell die erratischen US-Zölle und US-Zusatzzölle auf Stahl und Aluminium, die die Branche teilweise erheblich treffen. Hinzu kommt ein insgesamt instabiles und weiterhin herausforderndes Umfeld: Anhaltend hohe bürokratische Belastungen, steigende Kosten und volatile Märkte erschweren die Planung und machen langfristige Prognosen schwierig.
Einschätzung der aktuellen Lage aus Sicht der Unternehmen
Wie diese Lage in den Betrieben eingeschätzt wird, dokumentiert der aktuelle IVSH-Situations- und Tendenzbericht Q4/2025: Die Lagebeurteilung ist mehrheitlich „mittelmäßig“ — 48,4 % der Unternehmen beurteilen die aktuelle Lage so, 32,3 % bewerten die aktuelle Lage als „gut“, 16,1 % als „schlecht“ und nur 3,2 % als „sehr gut“. Interessant ist, dass sich die Beurteilung der aktuellen Lage in den letzten vier Quartalen kontinuierlich leicht verbessert hat – ein kleines Zeichen der Hoffnung in angespannten Zeiten.
Entscheidend ist auch der Blick nach vorn: Für die nächsten zwölf Monate rechnet die Branche in 45,1 % der Fälle mit Zuwächsen, 45,2 % der Unternehmen rechnen mit gleichbleibenden Umsätzen, in 9,7 % der Fälle wird mit rückläufigen Umsätzen gerechnet — die Einschätzung für das Inland, das EU- -Ausland und das Nicht-EU-Ausland variiert hierbei nur in Nuancen. Beim Auftragseingang dominiert aktuell die Seitwärtsbewegung (46 % melden „gleichbleibende Aufträge“, 32 % Zuwachs, 22 % Rückgang), und beim Personal überwiegt der Vorsichtsmodus in der Personalplanung für 2026 (61 % unverändert, 21 % Aufbau, 14 % Abbau).
Quer durch die Einschätzungen zieht sich eine wiederkehrende Trias an Themen: Bürokratie, Kosten und Fachkräftemangel belasten — adressiert wird dies mit Automatisierung, Digitalisierung, Qualifizierung und Weiterbildung. Dies unterstreicht abermals, dass unsere Branche Zukunft aktiv gestaltet und Herausforderungen nicht aussitzt. „Wettbewerbsfähigkeit ist kein Selbstläufer. Wenn die Politik konsequent Bürokratie abbaut und Planungssicherheit schafft, liefern unsere Unternehmen den Rest: Qualität, Tempo, Innovation.“ — so Ralf Zimmermann, Vorsitzender des IVSH.
In Bezug auf Vertriebskanäle zeigt sich, dass der Handel (Fachhandel, Großhandel, etc.) und Messen weiterhin die wichtigsten Kanäle sind, Kauf- und Warenhäuser sinken kontinuierlich in ihrer Bedeutung und E-Commerce, Online-Plattformen und eigene Onlineshops gewinnen immer mehr an Bedeutung.
IVSH 2025/26: Vom Anliegen zur Lösung
Der Verband hat 2025 den Dialog mit Berlin und Brüssel weiter spürbar intensiviert: so beteiligte sich der Verband fundiert an einer Rekordzahl von über 40 Konsultationen/Surveys/Stellungnahmen zu für unsere Branche relevanten politischen Themen und Gesetzesvorhaben (GPSR, EUDR, DPP, CSRD, Zoll, Green Claims, Wettbewerbsrecht, Waffenrecht, etc.) und führte mehr als 50 persönliche Gespräche mit Politik und Ministerien bzw. der EU-Kommission. Ziel: weniger Bürokratie, mehr Wettbewerbsfähigkeit. Erfreulich: immer wieder wurden konkrete Anliegen und Ideen aufgenommen und mündeten in kleinen, wie größeren Verbesserungen oder Erleichterungen. So erwirkte der IVSH beispielsweise wichtige Klarstellungen im Rahmen der GPSR („Online-Rückrufe“), der EUDR („nicht betroffene Produkte“), oder beim Industriestrompreis.
Auch mit dem IVSH-Bürokratiemonitor hat der Verband wieder konkrete Belastungen messbar gemacht – und Hebel zur Entlastung benannt: OnceOnly & interoperable Schnittstellen, verbindliche Standards & Templates, verpflichtender KMU-Check mit „Bürokratie-TÜV“, klare Bagatellgrenzen gegen „trickledown“-Übererfüllung in Lieferketten. Wie schon im letzten Jahr erzielte der IVSH-Bürokratiemonitor eine enorme Resonanz in der Politik, bis auf höchste Ebene der Bundesregierung und EU-Kommission. Auch hier wurden Vorschläge bereits konkret aufgegriffen.
„Unsere Gespräche in Brüssel und Berlin zeigen: Unsere Branche braucht keine Sonderrechte, sondern faire Wettbewerbsbedingungen und praktikable Regeln. Komplexe Regulierung darf nicht zum Standortnachteil werden – wir kämpfen für Vereinfachung und eine stärkere Beteiligung des Mittelstands. Brüssel und Berlin sind keine Orte für Schlagworte, sondern für Lösungen. Wer mit fundierten Argumenten kommt, trifft auf offene Ohren und erlebt, wie konstruktiv auf Vorschläge reagiert wird. Wir bringen die Perspektive einer Branche ein, die für Qualität, Tradition und Innovation steht.“, so Jan-Frederik Kremer, Geschäftsführer des IVSH.
Möglich macht dies eine neue Arbeitsweise und Struktur im IVSH: ein neues Expertenteam „Regulierung und Compliance“ ist arbeitsfähig (über 25 Mitglieder aus den Mitgliedsfirmen) und hilft bei der Erarbeitung von Positionen, Bewertung von Gesetzes-vorhaben und bringt so die wichtige Praxisperspektive der Branche ein. Flankiert wird dies von einer neun MS-Teams Community die alle Mitglieder in Echtzeit über neue regulatorische Anforderungen, Einschätzungen des IVSH und Unterstützungsangebote informiert.
Die mittlerweile stark gestiegene politische Sichtbarkeit und Bedeutung des Verbandes unterstreicht u.a. auch die Wahl des IVSH-Geschäftsführer Jan-Frederik Kremer in den Vorstand des europäischen Branchenverbandes FEC - Federation of the European Cookware and Cutlery Industries, als auch die Wiederaufnahme des IVSH in die AGHH – Arbeitsgemeinschaft Hartwarenhersteller und die direkte, neu geschaffene Vernetzung und Kooperation mit nationalen und europäischen Verbänden.
Neue Formate: Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit ganz konkret
Auf der Umsetzungsebene liefert der IVSH praxisnahe Formate – von IVSH-Update (neues aus Regulatorik & Compliance und Support bei der Umsetzung) über IVSHnext (neue Technologien, Innovationen & KI) bis zum Schneidwaren-Symposium und der neuen Zukunftsmacher-Reihe (Nachwuchsführungskräfte der Branche). Über 50 Veranstaltungen und Webinare organisierte der Verband im Jahr 2025 für seine Mitglieder. Diese erfolgreich initiierten Formate werden 2026 nicht nur fortgeführt, sondern weiter strategisch fokussiert und zielgenau – auf Grundlage der Rückmeldungen der Mitglieder - ergänzt.
Auch sonst setzt der IVSH Maßstäbe: Der IVSH entwickelt aktuell den ersten international tragfähigen und ganzheitlichen PCF-Branchenstandard für Schneidwaren, Kochgeschirr und Bestecke – ISO 14067konform und auf Validierung, bzw. Normung ausgerichtet. Dadurch werden PCF-Ergebnisse vergleichbarer, Aufwände reduziert und Kunden sowie Regulatorikanforderungen leichter erfüllt. Erfreulich ist, dass diese Aktivitäten auch von der Branche angenommen werden – so konnte der IVSH im letzten Jahr 21 neue Mitglieder begrüßen.
(1) Hinweis: es liegen noch nicht alle Umsatzahlen für das 4. Quartal 2025 vor, so dass wir hier eine Bandbreite/einen Korridor angeben anhand valider Projektionen.






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