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Trendthema Japan: Mehr als Matcha und Ramen

  • Autorenbild: Christine Dicker
    Christine Dicker
  • vor 19 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

- TRENDS -

Ein Set zum Zubereiten von Matcha gibt es zum Beispiel von Ad Hoc.
Ein Set zum Zubereiten von Matcha gibt es zum Beispiel von Ad Hoc.

Japan steht aktuell hoch im Kurs – vor allem das Trendgetränk Matcha und die überall gegenwärtige Ramen-Suppe prägen unser Japan-Bild. Aber auch bei den Wohnaccessoires liegen vom japanischen Minimalismus inspirierte Designs ganz vorne. Wer mehr über Shibori, Kintsugi und Sashiko erfahren möchte, der liest hier weiter …


Kintsugi - die Goldverbindung, die den Makel hervorhebt


Wenn bei uns Porzellan oder Keramik zerbricht, dann werfen wir das gute Stück entweder weg oder kleben es so zusammen, dass die Bruchstelle möglichst unsichtbar wird. Anders bei Kintsugi: Dem Kleber wird ein Edelmetall – entweder Gold, Silber oder Platin - beigemengt, welches die Bruchkante betont. Das Prinzip dahinter: Aus etwas scheinbar Zerstörtem kann etwas viel Wertvolleres und Einzigartiges werden.


Kintsugi ist die japanische Technik Bruchkanten hervorzuheben und als gestalterisches Element zu nutzen. Gesehen in London.
Kintsugi ist die japanische Technik Bruchkanten hervorzuheben und als gestalterisches Element zu nutzen. Gesehen in London.

Hinter Kintsugi steckt eine komplette Philosophie: Die heißt Wabi-Sabi und besagt, dass auch dem Unvollkommenen und Gebrauchten eine Schönheit innewohnt. Dieser Begriff der japanischen Ästhetik wurzelt im Zen-Buddhismus, nachdem alles vergänglich und unvollkommen ist. Die Begriffe Wabi und Sabi lassen sich nicht einfach übersetzen: Wabi steht für Einfachheit, Ruhe und schlichte Eleganz – das gilt sowohl für von Menschen gemachte Produkte wie auch die Natur. Sabi hingegen steht für die Schönheit, die mit dem Alter kommt – wenn das Objekt also sichtbare Altersspuren, Patina zeigt bzw. sichtbare Spuren einer Reparatur. Wabi-Sabi verkörpert heute das japanische Schönheitsideal und steht für das Verständnis von natürlicher Einfachheit.



In der Kunst wird es definiert mit unvollkommener Schönheit.

Der Internet-Blog Houzz spricht davon, dass es beim Wabi-Sabi auch um die Schönheit in der Hülle des Unscheinbaren geht. Am besten zeigt sich das Wabi-Sabi-Konzept am Beispiel japanischer Keramik: Die sieht oft rustikal und einfach aus, mit asymmetrischen Formen sowie Farben und Texturen, die diese Einfachheit noch betonen. Dabei versteckt sich hinter diesem Auftritt höchste handwerkliche Keramikkunst. Ein anderes Beispiel ist Ikebana, die japanische Blumensteckkunst, die uns mit ihrer ästhetischen Einfachheit begeistert. Aber

eben alles andere als einfach ist.



Japanische Färbetechnik Shibori


Bei der Serie Juwels of the Sea von Shupatto trifft Shibori auf Origami.
Bei der Serie Juwels of the Sea von Shupatto trifft Shibori auf Origami.

Leuchtendes Blau mit weißen Mustern und ineinander verlaufenden Farben. Pate für diese an Batik erinnernde Optik ist die japanische Färbetechnik Shibori. Die wird in Japan bereits seit dem 8. Jahrhundert nach Christi praktiziert. Anders als beim Batik – bei dem Wachs auf den Stoff aufgetragen wird – setzt diese Technik der Stofffärbung auf Faltungen, Abbinden und vieles mehr. Der Begriff Shibori steht dabei für „auspressen“ oder „auswringen“. An den Stellen, wo der Stoff mit Schnüren abgebunden wird, kann er keine Farbe aufnehmen. So entstehen dekorative und vielseitige Muster. Beim japanischen Shibori wird aber der Stoff nicht nur gebunden, sondern auch gefaltet, gewickelt, gepresst oder genäht. Dadurch entsteht eine große Vielfalt an Mustern wie Kreise, Drei- und Vierecke, Streifen, Karos oder Blumen. Bevorzugt gefärbt wird bei Shibori mit Indigo, das ergibt, je nach Färbedauer, ein sattes Blau oder aber Abstufungen davon. Heute werden auch andere Farben eingesetzt.


Sticktechnik Sashiko


Perfekt fürs Upcycling ist Sashiko. Auch hier gilt wieder: Den Makel sichtbar machen und als Gestaltungselement nutzen. Foto: Etsy
Perfekt fürs Upcycling ist Sashiko. Auch hier gilt wieder: Den Makel sichtbar machen und als Gestaltungselement nutzen. Foto: Etsy

Entstanden ist die Sticktechnik Sashiko in der Edo-Zeit (1603–1867) für die ländliche Bevölkerung Japans. Sashiko diente dazu, abgetragene Hanf- und Baumwollkleidung durch Flicken zu verstärken und wärmer zu machen. Charakteristisch ist weißes Baumwollgarn auf indigoblauem Stoff, das ergibt die traditionelle Optik. Auch hier geht es wieder um Wabi-Sabi: Die Kunst feiert die Schönheit im Unvollkommenen, Alten und Reparierten. Die rein geometrischen Muster basieren oft auf der Natur (z. B. Wellen, Hanfblätter oder Kiefernrinde) und symbolisierten traditionell Schutz, Glück oder Gesundheit. Heute ist Sashiko angesagt wie nie zuvor, es bedient den Trend, Löcher in Jeans oder Jacken nicht unsichtbar zu flicken, sondern mit kontrastreichen Stichen kunstvoll hervorzuheben. Aber auch die Mode und Textildesigner setzen Sashiko als Stilmittel ein.


Faltkunst Origami


Le Pliage von Longchamp ist nicht nur ein Klassiker, sondern auch ein Beispiel für Origami: Die Tasche lässt sich ganz klein zusammenfalten.
Le Pliage von Longchamp ist nicht nur ein Klassiker, sondern auch ein Beispiel für Origami: Die Tasche lässt sich ganz klein zusammenfalten.

Origami ist die traditionelle japanische Kunst des Papierfaltens, bei der aus einem meist quadratischen Blatt Papier ohne Schere und Klebstoff dreidimensionale Objekte entstehen. In der modernen Welt beeinflusst diese Technik Designer weltweit, um geometrische, strukturierte und platzsparende Formen in der Mode und bei Wohnaccessoires zu kreieren. Eines der bekanntesten Beispiele aus der Mode ist der Designer Issey Miyakemit seinen plissierte Stoffen. Auch im Interior Design sorgt die Faltkunst für minimalistische Ästhetik und hohe Funktionalität: Lampenschirme, flexible Möbel oder eine Wanddekoration setzten auf gefaltetes Papier oder Kunststoff. Eines der bekanntesten Beispiele ist sicherlich die Le Pliage Handtasche von Longchamp. Sie lässt sich bei Nichtgebrauch kompakt auf die Größe eines Notizbuches zusammenlegen.



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