Willo Blome: Dieses Gebäude ist die Erfüllung eines Lebenstraums
- Christine Dicker

- vor 12 Stunden
- 6 Min. Lesezeit
- HINTERGRUND -
Rund 28.000 Einwohner zählt Sundern im Sauerland. Dass man dort einen Showroom findet, der auch gut und gerne in Mailand, Tokio oder New York stehen könnte, das ist dem Unternehmen Blomus zu verdanken. Firmeninhaber Willo Blome freut sich, dass er seine Marke hier endlich mit genug Platz und vor allem in einem sehr stylischen, sehr trendigen Rahmen präsentieren kann.
Willo Blome ist in Sundern geboren, hier hat auch Blomus seit vielen Jahren seinen Firmensitz. Darum stand nie außer Frage, dass auch der Showroom hier stehen sollte. Dieser bietet nicht nur auf 1.150 Quadratmetern Platz für alle Blomus Produkte, auch ein großer Besprechungsraum für Kundentermine wie eine integrierte Bar gehören dazu – für Kundenevents und anderes mehr. Das ehemalige Industriegebäude aus den 1960er-Jahren, in dem neben dem Showroom auch der Blomus Firmensitz ist, wurde seit 2023 umfassend saniert, renoviert und transformiert, um die Entwicklung der Marke Blomus in den vergangenen Jahren räumlich erlebbar zu machen.
Das Gebäude erstreckt sich über vier Etagen und verfügt über eine Gesamtfläche von rund 4.676 Quadratmetern. Im Erdgeschoss befindet sich der großzügige Showroom, die zwei folgenden Etagen sind als offene Flächen konzipiert, die eine flexible Nutzung ermöglichen. Die vierte Etage wurde als Open Space konzipiert und wird extern vermietet.
Unter einem Dach vereint das Gebäude unterschiedliche Funktionsbereiche. Herzstück ist der Showroom, ergänzt durch eine integrierte Bar als Ort der Begegnung und des Austauschs. Darüber hinaus umfasst das Gebäude die Büros der verschiedenen Abteilungen sowie Rückzugsorte wie Silent Rooms für konzentriertes Arbeiten. Offene Gemeinschaftsflächen – als Social, Connection oder Community Spaces gedacht – fördern informelle Kommunikation und Zusammenarbeit.
Zentrales Ziel des Interior Designs war es, eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, die Effizienz und Wohlbefinden miteinander verbindet. Kommunikationsbereiche wurden gebündelt, um Austausch und Zusammenarbeit zu fördern, während gleichzeitig Rückzugsorte für konzentriertes Arbeiten entstanden. Der gestalterische Anspruch war es, einen Ort zu schaffen, der sich nicht wie ein klassisches Büro anfühlt, sondern eher wie ein hochwertiger, stilvoller Lebensraum. Materialien wie Teppiche, Stoffe, akustisch wirksame Filzpaneele sowie ein ausgewogenes Klima- und Akustikkonzept tragen zu einer ruhigen, angenehmen und inspirierenden Umgebung bei.
Das zentrale Gestaltungskonzept war es, der Marke Blomus gerecht zu werden und ihre Designphilosophie konsequent auf Gebäude und Interior zu übertragen. Die Bedürfnisse der Mitarbeitenden standen dabei ebenso im Fokus wie der Anspruch, eine offene, zukunftsweisende Arbeitswelt zu schaffen. Ziel war eine neuartige Bürostruktur, die eher einer Wohnzimmeratmosphäre als einer klassischen Bürolandschaft gleicht. Funktionalität und Ästhetik werden dabei nicht Gegensätze verstanden. Ein besonderer Stellenwert kommt den Bereichen zu, die Gemeinschaft fördern. Für Geschäftsführer Willo Blome ist es ein kleines, aber symbolisches Detail – die zentrale Kaffeemaschine –, die sinnbildlich für Begegnung und Gespräch steht.
Das Gebäude ist weit mehr ist als ein neuer Standort. Für Geschäftsführer Willo Blome ist es vor allem eines: „Dieses Gebäude ist die Erfüllung eines Lebenstraums.“ Auch für die Architektin Barbara Nöcker-Blome war das Projekt von besonderer Bedeutung. „Das Gebäude war die größte Herausforderung in meiner beruflichen Laufbahn“, beschreibt sie die Transformation.
Bei meinem Besuch in Sundern führt mich Willo Blome persönlich durch den Showroom und das Gebäude. „In dem Umfang, wie wir hier unser Sortiment zeigen, ist das auf keiner Messe aus Platzgründen möglich“, erklärt mir Willo Blome beim Rundgang. Bad, Tabletop, Outdoor, Polstermöbel und Möbel, Teppiche, die Capsule Kollektion und die neue Weihnachtskollektion – bei allen Bereichen sieht man die Tiefe des Sortimens. „Ich kenne kein Unternehmen, das in diesem Umfang so ein breites und in die tiefe gehendes Angebot wie wir hat.“
Wer die Historie von Blomus kennt, der versteht, warum sich das Unternehmen auf die oben genannten Bereiche konzentriert. „Blomus hat sich als Hersteller von Edelstahlprodukten einen Namen gemacht. Wir haben hier in Sundern Artikel für den Bad- und den Outdoorbereich hergestellt. Ich habe aber bereits 2014 erkannt, dass mit dieser Ausrichtung das Wachstum begrenzt war, dass wir preislich irgendwann nicht mehr mithalten können. Darauf wollte ich rechtzeitig reagieren, das Unternehmen neu aufstellen und habe mir daher die strategische Frage gestellt, wo will ich hin?“ Für Willo Blome war recht schnell klar, dass seine zukünftige Ausrichtung in Richtung Scandic Design gehen sollte, eine Richtung, die ihm schon immer gefallen hatte. Aber wer Willo Blome kennt, der weiß, dass er so einen Change, eine komplette Neuausrichtung seines Unternehmens nicht nach einem Bauchgefühl ausrichtet.
Er recherchierte also ausgiebig zu Scandic Design, um herauszufinden, dass es dazu keine Definition gibt. „Alles was aus den skandinavischen Ländern kam, wurde als Scandic Design bezeichnet.“ Willo Blome, der seit 1993 auf vielen Messen unterwegs ist, hatte dennoch ein konkretes Bild für die neue Produktpalette seines Unternehmens vor Augen. Ihm war aber auch klar, dass er für die Gestaltung der neuen Kollektionen einen Profi brauchte. Denn die radikale Neuausrichtung musste „sitzen“. „Ich brauchte einen möglichst schnellen Change, der von unserer Kundschaft als glaubwürdig und bedeutsam wahrgenommen wurde.“ Diesen Profi fand er mit Charlotte Thorhauge-Bech, die er bei einem nordischen Unternehmen abwarb. „Charlotte fand es spannend, eine Edelstahl-Designmarke deutscher Prägung als International Interior Designbrand komplett neu aufzustellen. Darum sagte sie zu. Das war vor acht Jahren und wir arbeiten immer noch zusammen,“ erinnert sich Willo Blome. Zur Ambiente 2018 war es dann soweit: die neue Blomus-Welt in Halle 4 hatte ihren ersten Auftritt.
Bevor wir aber über diese Premiere und wie der Handel auf diesen Change reagierte, sprechen, frage ich Willo Blome, wie bei den Mitarbeitern die Neuausrichtung ankam. Da habe er, so der Firmenchef, ganz klar einen Vertrauensvorschuss gehabt. Weil dieser Change nicht der erste in der Firmengeschichte des Unternehmens war, und der erste schon durchaus erfolgreich war, dachte man sich „der weiß schon, was er tut“. Dennoch waren anfangs alle sehr gefordert. „Wir kannten uns mit Edelstahl aus, jetzt aber mussten wir lernen, wie eine Qualitätssicherung bei Keramik, bei Holz, Textil und anderen Materialien funktioniert. Das war schon eine Herausforderung.“
Über learning by doing gelang auch dieser Step. Zurück aber zur ersten Messe mit neuem Sortiment: „Die Kunden haben durchweg positiv reagiert.“
Willo Blome hatte mit seiner Entscheidung, das Unternehmen neu auszurichten, Weitblick bewiesen. Er sah, dass ein Edelstahlsortiment aus eigener Produktion in Deutschland langfristig nicht bestehen, preislich nicht mithalten konnte. Es war für den Standort Sundern und die in der Produktion beschäftigten Menschen zwar eine bittere Entscheidung, aber dennoch die richtige: „Ich habe einen Produktionsbetrieb in einen Handelsbetrieb überführt und ein Geschenkartikelsortiment in eine Designmarke umgewandelt. Letzteres sehe ich als die viel größere Leistung.“ Wie gut der Change gelungen ist, zeigt, dass Blomus seit 2018 seinen Umsatz verdreifacht hat. Und wie gut die Blomus-Kunden die neuen Kollektionen angenommen haben.
Genaugenommen musste Blomus sich auch keine neue Kunden erschließen, denn eben in den Bereichen Bad, Outdoor, Tisch und Interior war das Unternehmen auch schon vorher unterwegs. Nur mit dem Material Edelstahl und einem engeren Angebot. „Wir haben quasi nur das Design und das Material gewechselt und das unseren bestehenden Kunden angeboten. Die waren begeistert, weil sie jetzt viel mehr Möglichkeiten hatten, auf die sie einsteigen konnten.“ Aber natürlich hat sich Blomus mit dem neuen Sortiment auch völlig neue Kunden erschlossen, eben solche, die das Unternehmen mit einen Edelstahlsortiment nicht erreicht hätte. Auch international hat sich Blomus noch einmal weiterentwickelt, wie zum Beispiel in den USA, wo man bereits seit 2002 vertreten war. Mittlerweile ist das der stärkste Exportmarkt für die Sauerländer. Weil dort aber die Retail-Struktur nicht sehr ausgeprägt ist, verkauft Blomus seine Produkte in den USA in erster Linie über E-Commerce. „Ich schätze, dass wir dort 80 % unseres Umsatzes Online machen.“ Aber, so Blome weiter, die Marke habe im internationalen Bereich noch Potential zu wachsen, vor allem im asiatischen Raum, im nahen Osten und der arabischen Welt.
Und wie sieht er den deutschen Markt, frage ich Willo Blome: Hier fährt man eine klare Strategie mit einem eindeutigen Bekenntnis zum Fachhandel, den sieht der Firmenchef als Basis für die Marke schlechthin. Parallel dazu baut man aber auch das B2C-Geschäft mit E-Commerce aus. Das hat Blomus mittlerweile selbst in die Hand genommen.
Der Showroom selbst, der übrigens im Oktober 2025 eröffnet wurde, ist ausschließlich für den Handel da. So soll es Hausmessen geben, außerdem will man wichtige Kunden nach Sundern einladen, die sich hier in Ruhe umsehen und ordern können. So viel Blomus wie hier im Showroom finden diese auf keiner Messe …




















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