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Wüsthof nach der Restrukturierung

  • Autorenbild: Christine Dicker
    Christine Dicker
  • vor 5 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

- HINTERGRUND -

Im Mai vergangenen Jahres hat Viola Wüsthof, geschäftsführende Gesellschafterin von Wüsthof, an dieser Stelle offen erläutert, welche Maßnahmen das Solinger Unternehmen ergriffen hat, um eine Kurskorrektur vorzunehmen. Ein Jahr später haben wir uns erneut in Solingen getroffen und darüber gesprochen, wo das Unternehmen heute steht und welche Themen die Zukunft bestimmen. 


Viola Wüsthof, geschäftsführende Gesellschafterin von Wüsthof.
Viola Wüsthof, geschäftsführende Gesellschafterin von Wüsthof.

Ein wesentlicher Schritt war die Neuaufstellung der operativen Führung. Dafür wurde eine sogenannte C-Suite etabliert: Michael vom Brocke als Chief Sales Officer (CSO), Dr. Klaus Willmann als Chief Operating Officer (COO) und Rainer Uhlhorn als Chief Financial Officer (CFO). Viola Wüsthof bleibt geschäftsführende Gesellschafterin (CEO/Managing Director) und arbeitet sowohl operativ als auch strategisch am und im Unternehmen.

„Das Schöne ist, dass wir durch diese C-Suite die wichtigsten Unternehmensbereiche sinnvoll aufgeteilt haben und jeder klar seinen Verantwortungsbereich führt. Unser CSO Michael vom Brocke bringt die Vertriebs- und Marktperspektive ein, mit ihm habe ich die Go-To-Market-Strategie aufgesetzt. Dr. Klaus Willmann verantwortet als COO die Bereiche Produktion und Operations und der CFO Rainer Uhlhorn sorgt für die finanzielle Steuerung des Unternehmens. Und ich verantworte neben Human Resources weiterhin meinen Herzensbereich, das Marketing“, erläutert Viola Wüsthof.


Partner heißt die neue Messerserie von Wüsthof, die im Juni 2026 in den Markt eingeführt wurde.
Partner heißt die neue Messerserie von Wüsthof, die im Juni 2026 in den Markt eingeführt wurde.

Die neue Führungsstruktur habe sich bewährt. Entscheidungen würden heute stärker gemeinschaftlich getroffen und verschiedene Perspektiven frühzeitig berücksichtigt. Das schaffe Stabilität und erhöhe gleichzeitig die Handlungsfähigkeit des Unternehmens.


Und wie steht Wüsthof heute da? „Die Restrukturierungsphase haben wir bereits 2024 abgeschlossen. Heute befinden wir uns in einer Phase der Stabilisierung und Weiterentwicklung. Wir beschäftigen unsere Mitarbeitenden in Volllast und sind insgesamt gut aufgestellt.“ Dennoch beobachte man die Entwicklung der Märkte sehr genau. Die Konsumstimmung sei weiterhin verhalten, gleichzeitig hätten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändert. „Auch wir spüren die zurückhaltende Kaufbereitschaft in einigen Märkten. Deshalb beobachten wir die Entwicklungen sehr aufmerksam und reagieren flexibel auf Veränderungen.“


Wachstumsmärkte im Focus


Hinzu kommen die gestiegenen US-Zölle. Da die USA für rund 70 Prozent des Umsatzes verantwortlich sind, haben diese Entwicklungen unmittelbare Auswirkungen auf das Geschäft. „Die USA bleiben für uns ein zentraler Markt. Gleichzeitig sehen wir darin einen zusätzlichen Anreiz, unsere internationale Aufstellung zu stärken und weitere Wachstumsmärkte gezielt auf- und auszubauen.“


Auf Farbe setzt Wüsthof bei seiner Classic Colour Collection.
Auf Farbe setzt Wüsthof bei seiner Classic Colour Collection.

Vor diesem Hintergrund treibt Wüsthof die internationale Diversifizierung konsequent voran. Künftig will sich das Unternehmen auf strategische Kernmärkte konzentrieren und dort seine Marktposition weiter ausbauen. Dazu gehören unter anderen Großbritannien und Frankreich, wo Wüsthof eigene Tochtergesellschaften gegründet hat. Weitere Wachstumspotenziale sieht das Unternehmen in Australien, Südafrika, Südkorea, Mexiko, Spanien und Italien. „Wir können nicht jedes Land gleichermaßen bearbeiten. Deshalb konzentrieren wir uns auf die Märkte, in denen wir auf Basis unserer Marktanalysen die größten Wachstumschancen sehen.“


Bei der Strategie profitiert Wüsthof von seiner starken Präsenz sowohl im stationären Handel als auch im Onlinegeschäft. „Beide Vertriebskanäle sind für uns wichtig. Letztlich geht es darum, unseren Kunden dort abzuholen, wo er einkaufen möchte – ob mit persönlicher Beratung im Fachhandel oder bequem online von zuhause aus. Wir wollen dem Kunden den bestmöglichen Touchpoint bieten.“


Ausbau der Handelsbeziehungen


Der Umsatz verteilt sich derzeit auf rund 60 Prozent stationären Handel und 40 Prozent Onlinegeschäft. Die Gewichtung unterscheidet sich dabei je nach Land. Während beispielsweise Großbritannien stärker online geprägt ist, spielt in Frankreich der stationäre Fachhandel weiterhin eine besonders wichtige Rolle.

Auch in Deutschland bleibt der Fachhandel für Wüsthof ein bedeutender Partner. Das Unternehmen investiert kontinuierlich in den Ausbau seiner Handelsbeziehungen und den direkten Austausch mit den Händlern. „Der Fachhandel hier hat für uns nach wie vor eine hohe Bedeutung. Wir haben nicht nur an der ambiente in Frankfurt zum wiederholten Mal teilgenommen haben, sondern waren auch auf der EK Bielefeld präsent. Wir sind dabei, unsere Handelsbeziehungen weiter kontinuierlich auszubauen und sind im engen Austausch mit unseren Partnern.“ Ein wichtiger Baustein ist das im vergangenen Jahr eingeführte B2B-Portal, das von den Handelspartnern sehr positiv aufgenommen werde.


Performer ist die Messerserie für ambitionierte Food Fans.
Performer ist die Messerserie für ambitionierte Food Fans.

Parallel investiert Wüsthof in die Weiterentwicklung seiner Kundenbetreuung. Mit der Einführung einer neuen CRM-Lösung sollen Prozesse transparenter gestaltet und die Zusammenarbeit zwischen Innen- und Außendienst weiter verbessert werden. „Unser Ziel ist es, sowohl Endkunden als auch Fachhandelspartnern einen noch besseren Service zu bieten und Kundenbedürfnisse frühzeitig zu erkennen. Dafür etablieren wir gerade Systeme, um eine enge Anbindung und Transparenz zwischen Innendienst, Außendienst und dem Kunden zu gewährleisten.“


Ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie sind Workshops, die Wüsthof gemeinsam mit Handelspartnern durchführt. „Workshops bieten uns die Möglichkeit, direkt mit Verbrauchern und Handelspartnern in Kontakt zu treten. Wir vermitteln Wissen rund um Messer, Schneid- und Schleiftechniken und erhalten gleichzeitig wertvolle Rückmeldungen aus dem Markt.“ Für den Fachhandel seien solche Veranstaltungen eine ideale Gelegenheit, Beratungs- und Servicekompetenz zu demonstrieren und Endkunden langfristig an sich zu binden.


Erst kürzlich stellte Wüsthof im Rahmen eines Workshops bei Kustermann in München die neue Messerserie „Partner“ noch vor ihrer offiziellen Markteinführung vor. „Die Möglichkeit, ein Produkt bereits vor dem Marktstart kennenzulernen und auszuprobieren, wurde von den Teilnehmern sehr positiv aufgenommen.“


Wüsthof setzt auf Standort Solingen


Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt für das Unternehmen eine zunehmend wichtige Rolle. „Ein hochwertiges Messer ist grundsätzlich ein sehr nachhaltiges Produkt, weil es über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte genutzt werden kann.“

In dem Zusammenhang betont Viola Wüsthof die Bedeutung des Standorts Solingen. „Mir ist es wichtig, den Produktionsstandort Solingen und die hier ansässigen Hersteller zu stärken. Der globale Wettbewerb nimmt kontinuierlich zu, insbesondere durch Anbieter aus Niedrigkostenregionen. Wüsthof setzt deshalb bewusst auf die Stärken des Standorts. Der entscheidende Unterschied liegt für uns in der Fertigungstiefe, der Materialqualität und dem handwerklichen Know-how, das mit dem Gütesiegel ‚Made in Solingen‘ verbunden ist. Und das würde ich fast unterschreiben wollen – dass nahezu jedes Solinger Messer ein Leben lang hält, wenn man es gut behandelt.“

Wüsthof setzt daher bewusst auf regionale Partnerschaften und kurze Wege. „Die Zusammenarbeit mit Lieferanten aus der Region ist für uns ein wichtiger Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie. Gemeinsames Know-how und eine enge Zusammenarbeit stärken den Standort nachhaltig.“


Ein zentrales strategisches Projekt ist die neue Messerserie „Partner“, die im Juni offiziell in den Markt eingeführt wird. „Mit dieser Serie wollen wir einen attraktiven Preispunkt um 100 Euro besetzen. Unsere Markt- und Wettbewerbsanalysen haben gezeigt, dass hier noch großes Potenzial besteht.“ Darüber hinaus soll die Serie zusätzliche Vertriebsmöglichkeiten eröffnen, etwa im Horeca-Bereich.


Neue Messerserie Partner


Auch beim Design wurden neue Wege beschritten. Der Griff verfügt über eine spezielle Oberflächenstruktur, die für einen besonders sicheren Halt sorgt. Hergestellt wird er ebenfalls von einem Solinger Unternehmen. Der Entwicklungsprozess der Serie verlief über einen Zeitraum von nahezu zwei Jahren. „Die Messer bieten die gewohnte Wüsthof Qualität und werden aus dem gleichen hochwertigen Stahl gefertigt, den wir auch in anderen Serien einsetzen. Gleichzeitig erschließen wir damit neue Zielgruppen.“ Der Handel habe laut Viola Wüsthof gut geordert und ein sehr positives Feedback gegeben. Begleitet wird die Markteinführung von einer sehr emotionalen Kampagne, bei der das Thema Family Cooking im Mittelpunkt steht.


Eine aktuelle Befragung unter mehreren hundert Fachhändlerinnen und Fachhändlern in Deutschland bestätigt den eingeschlagenen Kurs von Wüsthof. „Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen erhalten. Natürlich gibt es immer Verbesserungspotenzial. Insgesamt bestätigen uns die Ergebnisse jedoch darin, dass die eingeleiteten Maßnahmen Wirkung zeigen und wir mit unserer strategischen Ausrichtung auf dem richtigen Weg sind.“




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