• Christine Dicker

Making of Mono V Studiobesuch bei Mark Braun in Berlin

Aktualisiert: 2. Nov.

- HINTERGRUND -

 

Mark Braun drängt sich nicht in den Vordergrund. Ebenso wenig wie seine Entwürfe für Unternehmen wie KPM, Lobmeyr und Nomos Glashütte. Claudia Simone Hoff hat den Designer in seinem Studio in Alt-Treptow besucht und wollte wissen, weshalb sein Besteck Mono V so gut in der Hand liegt und wie es ihm gelungen ist, sechs Arbeitsschritte einzusparen.

Als Mark Braun vor rund zwanzig Jahren sein Designstudio in Alt-Treptow bezog, war hier noch nichts zu sehen von der nun allgegenwärtigen Gentrifizierung. Stattdessen: beschauliche Stille und ein eher älteres Publikum. Wenn man heute die Wildenbruchstraße entlang zum Neuköllner Schiffahrtskanal läuft, begegnen einen unzählige Cafés, Bibimbap-Läden und kleine Geschäfte, in denen meist Englisch gesprochen wird. In diesem Teil von Neukölln sieht es so aus, wie man sich gemeinhin einen Ort vorstellt, an dem einer der bekanntesten Designer Deutschlands arbeitet. Entlang des Kiehlufers wird es dann etwas beschaulicher, bis man vor einem unscheinbaren Haus in der Mengerzeile steht. Designer, Professor, Initiator

Der Innenhof ist groß und wird gerahmt von einem modernen Wohngebäude und dem mit einer hellen Klinkerfassade versehenen Atelierhaus Mengerzeile, das aus der Jahrhundertwende stammt. Im ersten Stock ist die Werkstatt von Mark Braun untergebracht, hier entstehen Prototypen wie Stühle für einen Outdoor-Möbelhersteller, Porzellanvasen und -becher. An der Wand sind Hammer, Sägen und andere Geräte montiert, ein professioneller Arbeitstisch ergänzt das kreative Ensemble. Man merkt, dass Braun vor dem Studium des Industriedesigns eine Lehre zum Tischler gemacht hat. Vor vier Jahren bezog er ein zusätzliches Studio im selben Gebäude, wo ihn zwei Freelance-Designer bei seinen Projekten unterstützen. Und davon gibt es gerade jede Menge, denn neben seiner Arbeit als freischaffender Produktdesigner ist Mark Braun auch Mitgründer der Plattform German Design Graduates zur Förderung junger Absolventen aus Produkt- und Industriedesign. Seit 2015 ist er außerdem als Professor für Produktdesign / Industriedesign an der Hochschule für Bildende Künste Saar tätig und pendelt regelmäßig zwischen Berlin und Saarbrücken. „Man sollte als Designer eine Mischkalkulation finden, die einen glücklich macht“, sagt der 47-jährige Gestalter. Vielseitiger Gestalter

Mark Braun ist ein Designer, der in vielen Metiers zuhause ist. So hat er neben Möbeln wie einem Barhocker (Treble Bar Stool, Northern), einer Silberschmuck-Kollektion (Blue Berlin, Suarez) und einem Porzellan-Teelicht (Planetarium, KPM) auch eine ziemlich erfolgreiche Armbanduhr (Metro, Nomos Glashütte) sowie Trinkgläser für Lobmeyr und Dior entworfen. Oft sind es lange Partnerschaften, die ihn mit seinen Auftraggebern verbinden, wie die Zusammenarbeit mit Mono zeigt. „Als markenbildender Gestalter“ ist man sehr wichtig für diese Unternehmen“, sagt Braun. Familienunternehmen adoptierten einen als Designer quasi, ergänzt er lachend. Die Besteckmacher aus Mettmann

Bei einer Veranstaltung des Rat für Formgebung in New York lernte Braun das Unternehmen Mono kennen, das im nordrheinwestfälischem Mettmann Bestecke wie Mono A und der Marke Pott produziert. Er hielt Kontakt zur Inhaberfamilie und wurde einige Jahre nach dem ersten Treffen mit der Überarbeitung des Bestecks Mono Ring beauftragt, einem Entwurf von Peter Raacke aus den frühen Sechzigerjahren. Damals sei er erstmals mit dem Thema Besteck in Berührung gekommen, erzählt Braun, als wir ihn an einem sommerlichen Frühherbsttag in seinem Atelier treffen. Auf dem Arbeitstisch hat er seine Arbeiten für Mono ausgebreitet, darunter sein geometrisches, sehr reduziertes Fondue-Set aus Edelstahl. Und verschiedene Ausführungen des Bestecks Mono Ring aus Edelstahl und farbigen Polyamid, das er 2018 im Dialog mit dem inzwischen verstorben Designer Peter Raacke überarbeitete. Ebenfalls auf dem Tisch arrangiert ist Brauns aktueller Entwurf samt Prototypen aus verschiedenen Materialien: Mono V. Ein Buchstabe als Designmerkmal


Mono
Markantes Merkmal von Mono V ist die Prägung des Griffs.

Mono V ist seit über 20 Jahren das erste komplett neu entwickelte Besteck, das Mono auf den Markt bringt. „Es soll ein Besteck für alle sein, gut funktionieren sowie in der Form prägnant und freundlich sein“, sagt Braun. Zwei Jahre hat der Designer daran gearbeitet – in enger Abstimmung mit dem Firmenchef Wilhelm Seibel und dessen Sohn Johannes. Das Besteck ist als 4-, 5- und 24-teiliges Set erhältlich sowie als 6-teiliges Espressolöffel-Set. Auffälligstes Gestaltungsmerkmal ist die markante Prägung des Griffs, die der Konstruktion Stabilität verleiht. Durch die V-förmige Form liegt das Besteck gut in der Hand und kann außerdem gestapelt werden, was überraschend neue Tisch-Arrangements schafft und außerdem platzsparend ist. Weniger Arbeitsschritte

Griff und Laffe bestehen aus einem Edelstahlblech mit einer durchgehenden Stärke von nur 1,5 Millimetern, was ressourcensparend ist. Im Unterschied zum Klassiker Mono A, bei dem Griff und Laffe unterschiedlich stark ausgebildet sind, werden zur Herstellung von Mono V sechs Arbeitsschritte weniger benötigt. Das liegt vor allem daran, dass auf das Walzen komplett verzichtet wird und der Besteckrohling direkt aus dem Edelstahlblech gestanzt wird. Anschließend wird das noch flache Besteckteil mittels einer Presse unter dem Druck von 120 Tonnen in die markante Form gebracht und von Hand geschliffen. Mono V ist ebenso wie sein Vorgänger Mono A aus einem Monomaterial gefertigt, was die wirtschaftlich effiziente Besteckproduktion in Deutschland wohl überhaupt erst ermöglicht (schließlich werden die meisten Bestecke inzwischen in Asien gefertigt). „Weil wir sechs Arbeitsschritte weggelassen haben, ist Mono V das günstigste Besteck von Mono überhaupt“, sagt Braun. „Und das ist auch unsere eigentliche Entwurfsidee.“ Zwar ist der Preis für ein 4-teiliges Besteckset mit 84 Euro noch immer relativ hoch, doch dafür auch komplett Made in Germany. Mark Braun nennt seinen Entwurf „demokratischen Luxus“, mit dem man „gut essen und dekorieren kann“.

Claudia Simone Hoff

www.mono.de

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