60 Jahre Dibbern: Interview mit Jan und Ben Dibbern

- HINTERGRUND -
In diesem Jahr feiert Dibbern seinen 60. Geburtstag. Die Premiummarke steht heute für Fine Bone China made in Germany und die farbenfrohe Serie Solid Color. Angefangen hat die Unternehmensgeschichte aber ganz anders. Jan und Ben Dibbern, die seit 2016 die Geschäfte führen, haben mir via Teams erzählt, wie alles begann und wohin die Reise bei Dibbern in den nächsten Jahren gehen soll.
Zuerst aber einmal ein Blick zurück: Der Vater der beiden Geschäftsführer, Firmengründer Bernd T. Dibbern, startet 1966 im Alter von 26 Jahren als Generalimporteur von finnischen Glas- und Designmarken in Deutschland. In den 70er Jahren kündigt ihm sein finnischer Partner und übernimmt den Vertrieb inklusive des von Bernd T. Dibbern aufgebauten Netzwerkes in Deutschland selbst. Dibbern lässt sich davon nicht entmutigen, macht weiter und stellt sein Unternehmen auf den Import von Produkten für den gedeckten Tisch aus ganz Europa um: Die Dibbern Collection besteht aus hochwertigem Porzellan und Glas sowie ausgesuchter Tischwäsche, später kommen dann Geschirre und Textilien dazu, die Bernd T. Dibbern selbst entwirft. 1982 schließlich folgt die Serie Solid Color und damit der Durchbruch der Marke.
In den 90er Jahren entsteht zudem eine Kollektion aus Fine Bone China, die das Unternehmen bei Hutschenreuther in Hohenberg an der Eger herstellen lässt. Als Hutschenreuther 1997 dieses Werk schließt, übernimmt es Dibbern und produziert dort weiter. Bis heute. In den 60 Jahren seines Bestehens hat sich Dibbern also immer wieder neu erfinden müssen, und quasi schon eine gewisse Resilienz in seiner DNA verankert.
Und die braucht es auch. „Die Weltwirtschaftslage und die anhaltend schlechte Stimmung im Konsum sind unsere größte Herausforderung aktuell. Dazu kommen noch die gestiegenen Kosten für Rohstoffe und Energie.“ Erzählen mir Jan und Ben Dibbern, die seit 2016 die Geschäfte führen, aber bereits 2012 bzw. 2014 bei Dibbern tätig sind. „Der Übergang hin zur Geschäftsleitung war ein schöner und ein langsamer Prozeß,“ erinnert sich Jan Dibbern, der fürs Marketing und für die Produktentwicklung verantwortlich ist. Sein Bruder Ben verantwortet den kaufmännischen Bereich und den Vertrieb. Diese Aufteilung trägt dazu bei, dass die Zusammenarbeit klappt. „Wir sprechen Unstimmigkeiten sofort an und klären diese,“ so die Brüder. Bei beiden spürt man, dass sie ihrem Vater, der 2022 starb, dankbar sind, wie er sie an die Leitung des Unternehmens herangeführt hat.
Herausforderungen gibt es immer wieder viele. Wie zum Beispiel die hohen Energiekosten, die natürlich einen Hersteller von Porzellan besonders treffen, da die Brennöfen mit Gas betrieben werden. „Wir haben erst kürzlich unseren 60 Jahre alten Tunnelofen, der zudem für viel höhere Kapazitäten ausgelegt war, durch einen Kammerofen ersetzt.“ Dieser verbraucht pro Brand 30 bis 35 % weniger Energie, ist zudem auf den Bedarf von Dibbern ausgelegt und kann auch mal heruntergefahren werden. Damit sei man, so Ben Dibbern, viel flexibler als mit dem vorherigen Tunnelofen. Rund 1,1 Millionen Euro habe man in diesen neuen Ofen sowie in die Logistik investiert. Diese wurde von Bargteheide nach Hohenberg verlegt, das optimiert die Prozesse und spart Wege.
Nach wie vor wird am Standort in Hohenberg an der Eger ausschließlich Fine Bone China gefertigt. Bis ein Teller oder ein Becher die Manufaktur verlässt, geht er durch rund 150 Hände. Einige Teile, wie zum Beispiel die Kannen, werden von Hand gegossen, andere wie die Teller oder die Becher gedreht. Diese Verarbeitung und vor allem die Zusammensetzung der Masse sorgen für ein Ergebnis, das seinesgleichen sucht: Bei dem Fine Bone China von Dibbern ist die Kantenschlagfestigkeit im Vergleich zu Produkten von anderen Herstellern bis zu sieben Mal höher. Das haben Labortests bewiesen. Für diese Härte des Scherben sorgt ein Anteil von 50 % Kalziumphosphat (das ist Knochenasche) in der Masse, gleichzeitig ist das der maximal mögliche Anteil. Bei anderen Herstellern liegt er bedeutend darunter.
Die Härte des Scherben ist das eine, die Transparenz das andere. Hält man einen Teller von Dibbern gegen das Licht, dann sieht man den Schatten der Finger, die den Teller hält. Last but not least die Stärke des Scherbens: Das Fine Bone China von Dibbern ist sehr dünnwandig, dabei aber sehr bruchfest und transparent. Seine Abrundung erfährt so ein Dibbern-Produkt durch die Glasur, die sehr glatt, sehr langlebig ist und für eine schöne Haptik sorgt. Dibbern ist übrigens mittlerweile nach eigenen Angaben der einzige relevante Hersteller von Fine Bone China in Europa.
Der Standort Deutschland und die vielen manuellen Fertigungsschritte haben natürlich ihren Preis. Aber aufgrund seiner Langlebigkeit hat das Fine Bone China von Dibbern Fans in der Branche. „Gerade im Bereich Hotels, Restaurants und Objektgeschäft haben wir unseren Stellenwert, viele sind nicht nur von der Optik, sondern vor allem auch von der Langlebigkeit überzeugt. Viele Gastronomen entscheiden sich immer wieder für unser Fine Bone China, weil sie damit so gute Erfahrungen gemacht haben.“ Mittlerweile erzielt das Unternehmen 50 % seines Umsatzes mit Hotels, Restaurants und dem Objektgeschäft, so zum Beispiel auch mit Kreuzfahrtschiffen.
2027 geht es mit den Investitionen bei Dibbern weiter, dann wird die Dekoration für Solid Color nach Hohenberg an der Eger verlegt. Die Serie aus Hartporzellan, die seit 1982 die Marke Dibbern maßgeblich geprägt hat, wird bei der BHS Tabletop im nahe gelegenen Schönwald gefertigt und hat dort auch ihren Farbbrand erhalten. Diesen Fertigungsschritt wird Dibbern im kommenden Jahr selbst übernehmen und in die eigene Produktion integrieren. In erster Linie ist das ein Transfer von Know-how, Investitionen in Spritzmaschinen und Spritzkabinen kommen noch dazu. „Unser Qualitätsanspruch ist hoch, die Brillanz der Farben von Solid Color ist unerreicht.“ Im Zuge der Integration soll auch das Team am Standort Hohenberg wachsen.
Damit liegt ein für Solid Color ganz wesentlicher Fertigungsschritt bei Dibbern selbst: Die Kollektion überzeugt durch ihr breites Farbspektrum. „Die Farben für Solid Color werden bei uns im Team entwickelt, unser Wunsch ist es, das Farbkonzept wieder mehr zu fokussieren, hin zum Ursprung. Gerade arbeiten wir an einem neuen Konzept, das wir im Herbst dem Handel vorstellen wollen. Zwei Dauerbrenner gibt es übrigens bei den Farben: Signalrot und Gelb sind seit Anbeginn dabei. Auch das Tassensortiment wird im Zuge der Weiterentwicklung gezielt angepasst. Selbst wenn sich das Konzept von Solid Color bald ändern wird, außer Frage steht, dass es nach wie vor eine bedeutende Rolle bei Dibbern spielt. Um die 30 % des im Fachhandel erzielten Umsatzes entfallen auf diese Kollektion. „Solid Color ist vor allem im deutschsprachigen Raum stark,“ erklärt Ben Dibbern.
Angaben zum Umsatz macht das Unternehmen übrigens nicht. Stark sei man im Bereich Hotellerie, Gastronomie und Objektgeschäft, auch ein eigener Online-Shop gehört dazu. „Der stationäre Fachhandel ist für uns ebenfalls sehr wichtig. Wir versuchen, ihn so gut wie möglich zu unterstützen.“ Dibbern setzt seit rund zehn Jahren auf ein selektives Vertriebssystem und verzichtet in diesem Rahmen bewusst auf den Vertrieb über Online-Marktplätze von Drittanbietern. Das sorge für eine sehr gute Preisstabilität. Im Ausland erzielt das Unternehmen mittlerweile 40 % seines Umsatzes.
Viel los bei Dibbern im Geburtstagsjahr. Zu den ganzen Investitionen und Neuentwicklungen gibt es auch Aktionen, die dazu beitragen sollen, die Menschen in die Geschäfte zu bringen. Das sind zum einen Fachhandelsaktionen wie auch Auftritte auf Instagram und Linkedin, in denen die Geschichte des Unternehmens und seiner Sortimente erzählt. Wir sind auf jeden Fall auf den Herbst und das neue Konzept für Solid Color gespannt.
















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