Backen mit Sauerteig
- Christine Dicker

- 19. Juli
- 2 Min. Lesezeit
- HINTERGRUND -
Brot aus Sauerteig erlebt gerade eine Renaissance. Menschen sehnen sich nach traditionellen Lebensmitteln, echter Handwerkskunst und natürlicher Ernährung ohne künstliche Zusatzstoffe. Das Backen zu Hause dient zudem vielen als entschleunigendes Hobby. Übrigens ist Brot aus Sauerteig keine neue Erfindung – seine erste dokumentierte Herstellung datiert um 2000 vor Christus. Auch heute noch ist die Vorgehensweise beim Herstellen einer Sauerteigkultur die gleiche wie anno dazumal. Man startet mit Wasser und Mehl zu gleichen Teilen. Bei Temperaturen zwischen 25 und 30 °C beginnen die auf dem Mehl vorhandenen und aus der Umgebung herbeigetragenen Mikroorganismen - hauptsächlich Milchsäurebakterien und Hefen – zu wachsen. Jeder Sauerteig hat dabei seine eigene Komposition an Mikroorganismen.

Das Besondere an Sauerteig
Sauerteig ist ein lebendiges Ökosystem aus wilden Hefen und Milchsäurebakterien. Im Gegensatz zu industrieller Backhefe fermentiert diese Starterkultur den Teig über viele Stunden. Dabei entstehen über 300 Aromastoffe, die dem Brot einen tiefen, komplexen Geschmack verleihen. Zudem bindet der Teig Feuchtigkeit besser, wodurch das Brot deutlich länger frisch bleibt.
Warum Sauerteig so gesund ist
Die gesundheitlichen Vorteile von echtem Sauerteigbrot basieren auf der langen Fermentationszeit:
Hohe Nährstoffaufnahme: Getreide enthält Phytinsäure, welche Mineralstoffe blockiert. Die Milchsäurebakterien bauen diese Säure um bis zu 80 % ab, wodurch Zink, Eisen, Magnesium und Calcium bioverfügbar werden.
Bessere Verdaulichkeit: Während der langen Gehzeit bauen die Mikroorganismen schwer verdauliche Zuckerverbindungen (FODMAPs) um bis zu 90 % ab. Das macht das Brot besser verträglich.
Reduziertes Gluten: Die Proteinstruktur des Glutens wird enzymatisch aufgebrochen und modifiziert. Das macht das Brot für Menschen mit Glutensensitivität verträglicher (nicht geeignet bei Zöliakie).
Stabiler Blutzuckerspiegel: Die organischen Säuren senken den glykämischen Index. Der Blutzucker steigt langsamer an, was Heißhungerattacken verhindert, länger sättigt und ideal für Diabetiker ist.
Wichtige Regeln für Hobbybäcker
Der Faktor Zeit: Sauerteig braucht Geduld. Eine Gärzeit von 12 bis 24 Stunden ist nötig, um die gesundheitlichen und geschmacklichen Vorteile voll zu entfalten.
Die richtige Temperatur: Milchsäurebakterien und wilde Hefen lieben Wärme. Idealerweise reift der Starter bei Temperaturen zwischen 24 °C und 28 °C.
Hygiene und Wasser: Stets saubere Gefäße nutzen, um Fehlgärungen zu vermeiden und lauwarmes Wasser ohne Chlorrückstände verwenden.
Mehlqualität: Vollkornmehle (Roggen, Dinkel, Weizen) bieten den Mikroorganismen die besten Nährstoffe für eine aktive Fermentation.
Quellen:
Wissenschaftliche Einblicke zur verbesserten Darmgesundheit und Nährstoffverfügbarkeit liefert die Studie der Universität Hohenheim via Atelier Rosi.
Details zur Reduzierung von Phytinsäure und Erhöhung des Nährwertes beschreibt die Verbraucherzentrale Bayern.
Informationen zum glykämischen Index, der Sättigung und der Verträglichkeit finden sich im Fachbeitrag der AOK Krankenkasse sowie in den Analysen von HeldenPilz zur Sauerteig-Wissenschaft.






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