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Der Herrnhuter Stern: mit Tradition und Handwerkskunst zum Erfolg

  • Autorenbild: Christine Dicker
    Christine Dicker
  • vor 1 Stunde
  • 4 Min. Lesezeit

- HINTERGRUND -

Er gilt als der Ursrung aller Weihnachtssterne: Der Herrnhuter Stern, der vor fast 180 Jahren in der Herrnhuter Brüdergemeine in der Oberlausitz entstanden ist. In ihm kommen historische Bedeutung, anspruchsvolle Handwerkskunst und eine tief verwurzelte soziale Verantwortung zusammen.


In der sächsischen Oberlausitz hat das Unternehmen Herrnhuter Sterne seinen Firmensitz. Foto: Jens Ruppert.
In der sächsischen Oberlausitz hat das Unternehmen Herrnhuter Sterne seinen Firmensitz. Foto: Jens Ruppert.

Die Geschichte des Herrnhuter Sterns beginnt im frühen 19. Jahrhundert in den Internaten der Herrnhuter Brüdergemeine, einer evangelischen Freikirche in der sächsischen Oberlausitz. Um den Schülern ein besseres räumliches Verständnis im Mathematik- und Geometrieunterricht zu vermitteln, ließ ein Erzieher im Jahr 1821 erstmals geometrische Körper aus Pappe anfertigen. Aus der Basis eines Rhombenkuboktaeders – einem Polyeder mit 26 Flächen – entstand durch das Aufsetzen von Pyramiden der erste Stern.


Den Herrnhuter Stern gibt es in verschiedenen Größen und Farben
Den Herrnhuter Stern gibt es in verschiedenen Größen und Farben

Dieser Bastelbrauch etablierte sich schnell als Tradition in der Vorweihnachtszeit, die von den Schülern in ihre Familien getragen wurde. Die kommerzielle Erfolgsgeschichte begann Ende des 19. Jahrhunderts, als der Geschäftsmann Pieter Hendrik Verbeek 1897 die ersten Sterne zum Verkauf anbot. Verbeek war es auch, der 1925 den ersten Stern mit einer selbsttragenden Konstruktion entwickelte und patentieren ließ. Damit konnte der Stern zusammengelegt und versendet werden - das ermöglichte einen weltweiten Versand und legte den Grundstein für die bis heute existierende Herrnhuter Sterne GmbH.



Was den Herrnhuter Stern für den Fachhandel so wertvoll macht, ist seine kompromisslose Qualität, die auf traditioneller Handarbeit beruht. Jeder klassische Papierstern besteht aus 25 Zacken (17 viereckige und 8 dreieckige), während die 26. Fläche für die Beleuchtung und Aufhängung offenbleibt.

Die Herstellung erfordert höchstes handwerkliches Geschick. Der Prozess beginnt je nach Größe des Sterns unterschiedlich: Der kleinste Stern mit seinem Durchmesser von 13 cm wird gestanzt, mit dem Messer gefalzt und mit Pinsel und Pinzette aneinander geklebt. In eineinhalb Stunden entsteht ein einzelner Stern, welcher von Beginn an in den Händen einer der Mitarbeiterinnen des Unternehmens liegt. Mit viel Fingerspitzengefühl entsteht jedes Jahr eine limitierte Auflage. Diese ist nur in Herrnhut erhältlich und unterstreicht die Exklusivität dieses Sterns.



Bei den traditionellen Klassiker, den Papiersternen von 40 bis 80cm Durchmesser, wird Zacke für Zacke aus Papierbögen geformt: der »Spitzeldreher« verarbeitet schlichtes farbiges Papier mit geschickter Hand zu einem Kegel – dann ruhen die Einzelstücke zum Trocknen. Bis zu 2.500 solcher Zacken dreht ein »Spitzeldreher« pro Tag. Dann übernehmen die »Rähmchenkleber«: Sie verleihen den Zacken die richtige Form. Perfekt aufeinander abgestimmt arbeiten sie gemeinsam an der Vollendung. Ausgestanzte Papprähmchen erhalten einen Leimanstrich und lassen die Papierkegel ihre vier- oder dreieckige Form annehmen. Ca. 3.500 Zacken verarbeiten zwei »Rähmchenkleber« pro Tag. Ein letztes prüfendes Auge fliegt über jede einzelne Zacke bevor 25 Stück von ihnen die Reise in die weite Welt antreten – mit dem Prädikat »handgefertigt aus Herrnhut«.


Die Spitzen der großen Papiersterne werden von Hand gefertigt. Foto: Jens Ruppert
Die Spitzen der großen Papiersterne werden von Hand gefertigt. Foto: Jens Ruppert

Auch die wetterfesten Kunststoffsterne für den Außenbereich, die das Sortiment seit 1982 ergänzen, werden nach strengen Qualitätsvorgaben in Herrnhut gefertigt und von Hand konfektioniert. Es gehört zur Unternehmensphilosophie, dass die Handwerkskunst erhalten bleibt. Diese Authentizität in der Fertigung rechtfertigt zudem das Preisniveau und bietet dem Handel ein hervorragendes Argument in der Kundenberatung.


Neben der handwerklichen Qualität zeichnet sich die Herrnhuter Sterne GmbH durch ein ausgeprägtes Maß an sozialer Verantwortung aus. Diese Haltung ist tief in den christlichen Wurzeln der Brüdergemeine verankert. Das Unternehmen arbeitet seit Jahrzehnten eng mit regionalen geschützten Werkstätten zusammen. Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen sind mit leichten Tätigkeiten in den Produktions- und Verpackungsprozess integriert.


Jeder klassische Papierstern besteht aus 25 Zacken. Foto: Jens Ruppert.
Jeder klassische Papierstern besteht aus 25 Zacken. Foto: Jens Ruppert.

Darüber hinaus sichert die Manufaktur als wichtiger Arbeitgeber in der strukturschwachen Region Oberlausitz kontinuierlich Arbeitsplätze und setzt auf faire Arbeitsbedingungen, regionale Lieferketten und eine nachhaltige Unternehmensführung. Für den modernen Konsumenten, der zunehmend Wert auf ethischen Konsum legt, sind dies ausschlaggebende Kaufkriterien. Der Fachhandel kann somit nicht nur ein ästhetisches Produkt, sondern auch eine wertebasierte Geschichte verkaufen.


Durch die immer größer werdende Präsenz der Herrnhuter Sterne sowie dem Ausbau des Exports konnte sich das Unternehmen in den letzten Jahren stabil und stetig entwickeln. Waren es im Jahr 2010 noch rund 80 Mitarbeiter, welche ca. 300.000 Sterne pro Jahr herstellten, sind es heute bereits 850.000 Sterne und etwa 230 Mitarbeiter. So wurde in den Jahren 2014, 2017 und 2022 der Bau dreier neuer Lager- & Produktionshallen notwendig, um den benötigten Kapazitäten gerecht zu werden. Neben den Herrnhuter Sternen ergänzen seit einigen Jahren besondere Designprodukte, wie Sternenleuchten, Lichterbögen oder auch Schriftzüge das Sortiment, welche den Herrnhuter Stern immer wieder neu in Szene setzen.


Basteln mit Anleitung: Das Unternehmen bietet Kurse an. Foto: Jens Ruppert
Basteln mit Anleitung: Das Unternehmen bietet Kurse an. Foto: Jens Ruppert

Spätestens mit dem Neubau der Manufaktur und der nun zur Verfügung stehenden großzügigen Schauwerkstatt ist das Unternehmen nicht mehr nur Hersteller, sondern auch ein Tourismusmagnet in der Region. Konnten 2004 noch ca. 14.000 Besucher begrüßt werden, sind es heute etwa 90.000 Besucher im Jahr. Ab 2018 wagte die Herrnhuter Sterne Manufaktur dann zwei weitere wichtige Schritte in der touristischen Ausrichtung des Unternehmens. Seit 2018 gibt es eine neue Entdeckerwelt, in der es für die kleinen Gäste mit den beiden Sternekindern Emmi und Jonas auf Entdeckungsreise durch die Welt der Sterne geht. Ob Klettern, Rutschen und Entdecken im 150m² großen Indoorspielplatz oder Gestalten und Fertigen von individuellen Herrnhuter Sternen in der Bastelwerkstatt.


Im Jahr 2019 eröffnete dann zunächst das Dekostübchen. Dieses neue kleine Ladengeschäft direkt neben der Schauwerkstatt bot florale Gestecke verziert mit Herrnhuter Sternen an. Was zunächst als „Testballon“ gedacht war, erfreute sich schnell großer Beliebtheit. Im November 2025 ist aus dem "Dekostübchen" das "Dekohaus" geworden - ein Neubau in dem auf circa. 400M² neben Gestecken auch Deko-Workshops angeboten werden.




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