Mike Hassenteufel, Vertriebsleiter Woll: Wir verzichten auf „Forever-Chemicals“
- Christine Dicker

- vor 6 Tagen
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Aktualisiert: vor 15 Stunden
- HINTERGRUND -
Seit ein paar Jahren ist der Begriff PFAS-frei in aller Munde. Woll war einer der ersten Anbieter in der Branche, der Pfannen und Kochgeschirre ohne diese Forever-Chemicals angeboten hat. Auf der Ambiente hat das Unternehmen seine neue Diamond QXP-Beschichtung vorgestellt. Mike Hassenteufel, Vertriebsleiter bei Woll, hat mir erzählt, was diese von der vorherigen QXR-Beschichtung unterscheidet.
tischgespraech.de: Im Oktober 2023 habe ich mit André Woll ein Interview zu PFAS-freien Beschichtungen geführt. Heute, im Frühjahr 2026 werben fast alle Hersteller mit PFAS-freien Beschichtungen. Und auch bei Woll hat sich ja in dieser Hinsicht einiges getan. So haben Sie eine neue Diamond QXP Versiegelung eingeführt. Was unterscheidet diese von der damals propagierten QXR-Beschichtung?
Mike Hassenteufel: QXR steht bei uns für eine bewusst raue Oberflächenstruktur. Damit wollten wir eine PFAS-freie Beschichtung entwickeln, die auch kräftiges Anbraten ermöglicht und sehr gute Röstaromen erzeugt. Diese Technologie haben wir in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich weiterentwickelt – das, was wir heute applizieren, ist deutlich weiter optimiert als die erste Version von 2023.Mit Diamond QXP gehen wir nun einen weiteren technologischen Schritt. Das „P“ steht für Plasma-Technologie, die wir in den Beschichtungsprozess integriert haben. Der Unterschied liegt vor allem in der Charakteristik der Oberfläche: QXR polarisiert bewusst über seine Rauigkeit und die starke Bratperformance. Mit QXP ist es uns gelungen, eine Oberfläche zu entwickeln, die sich in Haptik und Optik sehr stark an unseren klassischen Woll-Beschichtungen orientiert – also an dem Look und Gefühl, das viele Kunden seit Jahren kennen. Beide Beschichtungen stehen für moderne PFAS-freie Technologien mit sehr guten Antihaft-Eigenschaften, sprechen aber unterschiedliche Vorlieben beim Kochen an.
tischgespraech.de: Was macht die neue Beschichtung aus?
Mike Hassenteufel: Bei der Entwicklung von Diamond QXP ging es uns darum, eine PFAS-freie Beschichtung zu schaffen, die sich im Alltag sehr vertraut anfühlt und gleichzeitig besonders stabil ist. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei die Plasma-Technologie, die wir in den Beschichtungsprozess integriert haben. Dadurch entsteht eine sehr stabile Struktur innerhalb der Beschichtung. Das Ergebnis ist eine langlebige Oberfläche mit sehr guten Antihaft-Eigenschaften und hoher Alltagstauglichkeit.
tischgespraech.de: André Woll hat mir damals auch berichtet, dass Woll sukzessive sein komplettes Sortiment auf PFAS-frei – oder wie Sie heute schreiben ohne „Forever Chemicals“ – umstellen will. Wie weit sind Sie damit?
Mike Hassenteufel: Wir haben diesen Transformationsprozess sehr konsequent weitergeführt. Ende dieses Jahres werden rund 80 Prozent unseres Sortiments ohne „Forever Chemicals“ sein.Ein kleiner Teil unseres Programms bleibt vorerst noch mit PTFE verfügbar – vor allem für bestimmte internationale Märkte. Strategisch ist die Richtung für uns aber klar: Die Zukunft unserer Entwicklung liegt in PFAS-freien Technologien. Wie André Woll bereits im Interview 2023 gesagt hat: „Wir wollten uns von der Regulierung nicht treiben lassen, sondern die Transformation selbst gestalten.“Dieser Ansatz gilt für uns weiterhin.
tischgespraech.de: Im Oktober 2023 hieß es auch, dass ein Verbot von PFAS in unserer Branche bis 2025/2026 kommen sollte. Wie ist denn da der aktuelle Stand?
Mike Hassenteufel: Die Regulierung ist deutlich komplexer geworden als ursprünglich erwartet. Die Diskussion auf europäischer Ebene zieht sich länger hin, weil PFAS in sehr vielen Industrien verwendet wird. Wir sind damals auch davon ausgegangen, dass es schneller gehen könnte. Inzwischen zeigt sich, dass der Prozess mehr Zeit braucht.Für uns war aber früh klar: Wir wollen technologisch vorbereitet sein – unabhängig davon, wann und wie eine Regulierung kommt.
tischgespraech.de: Sie verwenden in Ihrer Kommunikation den Begriff „ohne Forever Chemicals“ statt PFAS-frei. Das gefällt mir persönlich sehr gut – warum haben Sie sich dafür entschieden?
Mike Hassenteufel: Der Begriff PFAS ist sehr technisch und für viele Verbraucher schwer greifbar. Gleichzeitig sieht man im Markt immer noch Aussagen wie „PFOA-frei“. PFOA ist aber nur eine einzelne Substanz innerhalb einer Gruppe von über 10.000 PFAS-Verbindungen.Diese Art der Kommunikation kann Verbraucher leicht in die Irre führen. Deshalb verwenden wir gerne den Begriff „ohne Forever Chemicals“, weil er verständlicher beschreibt, worum es eigentlich geht – nämlich um Stoffe, die sich in der Umwelt sehr lange halten.Das hilft, das Thema klarer und ehrlicher zu erklären.
tischgespraech.de: Die Kochgeschirre mit den neuen Beschichtungen können nun auch in die Spülmaschine – wollen Sie mir dazu auch etwas erzählen?
Mike Hassenteufel: Ja, das ist tatsächlich ein wichtiger technischer Fortschritt. Bei früheren keramischen Beschichtungen war das Problem häufig, dass die Antihaftwirkung hauptsächlich durch Silikonöle an der Oberfläche erzeugt wurde.Während des Temperprozesses sind diese Öle in der Beschichtung nach oben gewandert – ähnlich wie ein Fettfilm auf einer Suppe. Dadurch entstand zwar zunächst ein guter Antihafteffekt, dieser konnte aber durch einen Spülmaschinengang relativ schnell wieder entfernt werden.In unseren neuen Beschichtungssystemen binden wir das Silikonöl in die gesamte Matrix der Oberfläche ein. Der Antihafteffekt sitzt also nicht nur oberflächlich, sondern ist in der gesamten Beschichtungsstruktur verankert. Dadurch bleibt die Antihaftwirkung auch bei stärkerer Beanspruchung stabil.
tischgespraech.de: Noch einmal zurück zum Markt: Fast alle Hersteller werben heute mit PFAS-frei. Wie gehen Sie in der Kommunikation damit um, deutlich zu machen, dass Ihre neue Beschichtung mit einer früheren keramischen Beschichtung nichts mehr zu tun hat?
Mike Hassenteufel: Der Begriff „keramische Beschichtung“ wird heute sehr unterschiedlich verwendet und umfasst viele verschiedene Technologien. Deshalb versuchen wir in unserer Kommunikation vor allem über Performance und Kocherlebnis zu erklären, was moderne Systeme heute leisten können. Dazu gehören Antihaftwirkung, Robustheit und die Möglichkeit, auch kräftig anzubraten. Am Ende entscheidet der Verbraucher immer in der Küche – und genau dort zeigen sich die Unterschiede zwischen den verschiedenen Technologien.








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