Jan Frederik Kremer: Wir denken heute bereits an die nächste Generation
- Christine Dicker

- vor 5 Stunden
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- HINTERGRUND -
Vor zwei Jahren, genau am 1. April 2024, hat Jan-Frederik Kremer die Geschäftsführung des IVSH, Industrieverband Schneid- und Haushaltwaren, übernommen. Ein Grund für tischgespraech.de ihn zu fragen, was sich seitdem getan hat und was der 39jährige noch vor hat.
Mit dem IVSH hat Kremer, so betont er gleich zu Beginn des Gesprächs, das via Teams stattfindet, einen sehr stabil aufgestellten Verband übernommen, vor allem was die Finanzen und die Struktur betrifft. Aber natürlich stehen für ihn noch weitere Themen im Fokus: „Der Kern all dessen, was wir tun, ist es, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Mitglieder zu stärken. Darum dreht sich unser ganzes Handeln.“ Dazu später aber noch mehr. Auch bei den internen Abläufen des Verbandes sei einiges passiert, vor allem habe man die Effizienz gesteigert, die Digitalisierung der internen Prozesse vorangetrieben. Kremer und sein Team haben zum Beispiel die Kommunikation mit den Mitgliedern in neue Formate überführt, mit denen man sehr niederschwellig und zeitnah miteinander in Verbindung treten kann. Eingeführt hat der neue Geschäftsführer unter anderem ein digitales Mitglieder-Magazin „IVSH-Insider“, das alle sechs bis acht Wochen erscheint. Vorstellen müsse man sich das, so Kremer, wie eine Plattform auf der man Hintergrundinformationen zu wichtigen Themen abrufen könne. „Man kann es auch eine Wissensdatenbank nennen.“
„Das kommt gut an. Sehr gut nachgefragt sind vor allem Guidelines, Vorlagen, Handreichungen oder aber Informationen aus Brüssel. Wir geben damit Infos weiter, die weit über das hinausgehen, was man im Internet zu der jeweiligen Thematik finden kann und die konkret weiterhelfen,“ beschreibt Kremer das Angebot. Diese neuen Mehrwerte, die der IVSH bietet, bewältige man mit dem selben Personal wie zuvor. Das sei durch die bereits oben genannte Effizienzsteigerung und Digitalisierung gelungen, zudem arbeiten zwei neue Expertenteams, die aus Mitgliedern des Verbandes bestehen, mit. „Daraus generieren wir viele Inhalte. Auch aus den Arbeitsgremien, in denen wir als Verband vertreten sind, kommt vieles.“ Kremer sieht es auch als eine seiner Aufgaben, Informationen zu bündeln und weiter zu geben. „Wir stellen zum Beispiel zur Verpackungsverordnung Hintergrundinformationen bereit, erstellen branchenspezifische Guidlines und ergänzen die um weitere Infos, wie das dann konkret in der Praxis aussieht.“
Neben dem Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit und der Kommunikation nennt Jan-Frederik Kremer noch zwei weitere Punkte, die ihm wichtig sind: „Wir wollen uns zu einer Branchenplattform entwickeln, die eine branchenweite Vernetzung und einen Austausch zu konkreten Fachthemen bietet. Denn wir haben festgestellt, dass es das für ganz spezielle Themen noch nicht gibt.“ Laut Kremer werde dieser Plattformgedanke sehr gut angenommen, weil alle Mitglieder vor ähnlichen Herausforderungen stünden. Natürlich gab es diesen Ansatz auch bereits vor Kremers Zeit im ISVH, aber eben in einer anderen Form. „Was neu ist, ist, dass wir das strategisch auf bestimmte Schwerpunktthemen fokussieren.“ Kremer befragt seine Mitglieder regelmäßig, welche Themen sie umtreiben. So gab es vor kurzem den Wunsch, mehr über KI und wie sich diese für die Branche nutze ließe, zu erfahren. Das Ergebnis sind mehrere Workshops, die in Zusammenarbeit mit dem Mittelstandszentrum Handel in den nächsten Monaten durchgeführt werden. Ein weiteres Thema ist, wie die Effizienz in der Produktion gesteigert werden kann – das steht im Mittelpunkt der nächsten Fachgruppensitzung im November, die beim Mitgliedsunternehmen GRG im Saarland stattfinden wird. Zu diesem Thema, so Kremer weiter, werde es zudem ein gefördertes Projekt „Change Campus“ geben und die erfolgreiche Reihe IVSHnext wird fortgesetzt. „Behandeln werden wir Fragen, wie wir neue Technologien oder Materialien einsetzen oder im Produktionsprozess noch mehr Energie in den Kreislauf zurückführen können.“ Fragestellungen, die den IVSH sicher noch mehrere Jahre beschäftigen werden.
Als vierten wichtigen Bereich führt der Geschäftsführer den Verbandes auf: So ist, seitdem Kremer die Geschäftsführung übernommen hat, die Zahl der Mitglieder von knapp 90 auf 112 gestiegen. „Uns geht es aber nicht um Wachstum als Selbstzweck, sondern wir stellen uns die Frage: wer passt zu uns? Wie gehen wir mit Anfragen von Unternehmen aus dem Ausland um?“ Zumindest dieser letzte Punkt ist dahingehend geklärt, dass diese Mitglied werden können, wenn sie Hersteller/Produzent sind und wenigstes eine Niederlassung in Deutschland und nennenswerten Umsatz hier haben. Zur Zukunftsfähigkeit des Verbands gehört auch, den Mitgliedern Angebote zu machen, um Nachwuchskräfte zu fördern. „Wir denken heute bereits an die nächste und übernächste Generation,“ so Kremer, „dazu gehört auch das Wissensmanagement, wie zum Beispiel Handwerkswissen erhalten werden kann oder unsere neue Initiative IVSH-Zukunftsmacher.“
Denn es ist eine Herzensangelegenheit von Kremer, die Produktion von hochwertigen Produkten in Deutschland und Europa weiter zu erhalten. „Dazu gehört für mich vor allem auch die Interessenvertretung in Berlin und Brüssel. Denn wenn man nicht selbst die Perspektive der Branche einbringt, dann macht das niemand anderes. Und es immer gut, sehr frühzeitig, bevor es offiziell wird, das Ohr an der Gesetzgebung zu haben. Um noch Einfluß nehmen zu können.“ Dazu tut sich der IVSH auch mit anderen Industrieverbänden zusammen, um die gemeinsamen, fundierten Positionen zu vertreten. „Wir stellen uns immer die Frage, welchen Beitrag können wir für unsere Branche und unsere Mitglieder leisten,“ bemerkt Kremer abschließend.








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