Thimo Braun: Unser Fokus liegt auf Kompetenz
- Christine Dicker

- vor 3 Stunden
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- HINTERGRUND -
Wer ist das eigentlich, die Karl Weis u. Cie. GmbH? Fragt man Thimo Braun, Mitglied der Geschäftsleitung, dann beschreibt er das Unternehmen als ein konservatives, klassisches schwäbisches Familienunternehmen, das Küchen- und Haushaltsartikel aus Edelstahl herstellt. Da steckt aber natürlich noch mehr dahinter, was genau, das hat er mir in einem Videocall erzählt.
Aber von Anfang an: Das Unternehmen Karl Weis wurde 1903 gegründet, bereits damals stellte man Küchen- und Haushaltsartikel aus Metall her. Die damaligen Eigentümer, die Familie Weis, wurden im Dritten Reich enteignet und emigrierten in die USA. Erst 1953 bekamen sie ihr Unternehmen zurück, nachdem sie sich aber in den USA ein neues Leben aufgebaut hatten, verkauften sie 1955 das Unternehmen an Thimo Brauns Urgroßvater Max Braun. Seitdem ist es in Besitz der Familie und firmiert als Karl Weis u. Cie. GmbH. Ein zweiter Meilenstein in der Firmengeschichte war das Jahr 2004, damals gab es eine Kreditreform, in Folge dieser wurde vielen Unternehmen, darunter auch der Familie Braun, der Kreditrahmen gekürzt. Vorübergehend wurde ein Mitgesellschafter mit ins Boot genommen, was die Brauns aber dann taten – und das meint Thimo Braun mit der anfangs erwähnten klassisch schwäbischen Mentalität – sie wirtschafteten dann so, dass zu einen das Unternehmen wieder zu 100 % in Familienbesitz kam und die Eigenkapitalquote so hoch ist, dass man unabhängig von den Banken wurde. „Wir haben keine Bankenkredite mehr zu bedienen.“ Dazu baute man hohe Lagerbestände auf, Lieferengpässe gab und gibt es bei dem schwäbischen Unternehmen kaum. „Darum kamen wir auch durch Corona gut durch,“ erklärt Thimo Braun.
Er stieg übrigens vor zwölf Jahren ins Unternehmen ein und ist heute Mitglied der Geschäftsleitung, sein Vater Hans Braun ist der Geschäftsführer. „Durch die gute Vorarbeit der Generationen vor mir, geht es uns heute gut.“ Küchen- und Haushaltsartikel verkauft das Unternehmen nach wie vor, mit dem Unterschied, dass diese heute nicht mehr in Deutschland hergestellt werden – wie so viele andere haben auch die Schwaben ihre Produktion schrittweise ins Ausland verlegt. „Noch bis in die 90er Jahre haben wir in Deutschland produziert. Aber die Produktentwicklung findet nach wie komplett bei uns statt, und die Produktion erfolgt auch teilweise heute noch auf eigenen Werkzeugen und Maschinen,“ erklärt Thimo Braun. „Es ist in dem kleinteiligen Sortiment an Küchenzubehör, in dem wir tätig sind, noch dazu aus Edelstahl, einfach nicht mehr möglich, in diesem Umfang in Deutschland oder in Europa zu produzieren. Natürlich garantieren wir aber deutschen Qualitätsstandard und sorgen für die entsprechenden Qualitätskontrollen.“
Denn die sei Voraussetzung, um im Fachhandel ganz vorne mitzuspielen – und das gelingt dem Unternehmen: „Wir sind bekannt und geschätzt für unsere Qualität.“ Wofür Weis auch noch bekannt ist: „Wir haben ein sehr tiefes Sortiment, sogar eines der tiefsten im Bereich Küchenzubehör. Mit rund 1.400 Artikeln, darunter vielen Klassikern.“ Zu denen zählen zum Beispiel Zitruspressen – von denen hat Weis sieben verschiedene im Sortiment – Schaumlöffel und auch Spülkörbe, die gibt es übrigens schon mehr als 100 Jahre bei den Schwaben. Das Sortiment ist bei Weis in sechs Produktkategorien unterteilt: Dazu gehört der Bereich gedeckter Tisch mit Teekannen, Tassen, Etageren usw, Vorbereiten, Schneiden, Kochen, Backen und der Gastrobereich.
Der Gastronomiebereich wird übrigens seit Firmengründung beliefert, tatsächlich gibt es laut Braun wenige Unternehmen, die sowohl den Privat- wie auch den Gastrobereich bedienen. Im Gastrobereich finden sich zum Beispiel ein 120 cm langer Schneebesen oder Schüsseln mit 40 cm Durchmesser. Geräte für die Großküche, wo es um das Zubereiten von 100 Portionen und mehr geht, die ergonomisch und langlebig sind, also einer viel höheren Belastung standhalten müssen.
„Was wir hier im Gastrobereich in punkto Qualität lernen, das wirkt sich natürlich auch auf die Produkte für den Privathaushalt aus, beeinflusst deren Gestaltung,“ so Thimo Braun. Und woher kommen die Anregungen für neue Produkte, frage ich. „Die kommen vor allem aus dem Fachhandel, weil wir viel mehr Fachhändler als Gastrohändler haben,“ so Braun. Da macht es allein schon die Masse – rund 1.200 Händler beliefert das Unternehmen, davon 900 in Deutschland darunter neben prestigeträchtigen Referenzkunden auch viele kleine. Mit denen erziele man 65 % des Umsatzes, auf den Gastrobereich entfallen 35 %.
Gerade in den vergangenen Jahren ist das Sortiment stark gewachsen – von 700 auf heute 1.400 Artikel, darunter auch einige Neuheiten wie das modulare Küchenschalensystem Simplo, das zum Vorbereiten, Kochen und Servieren verwendet werden kann. „Natürlich gibt es bei uns viele Neuheiten, aber wir arbeiten auch daran, unser Sortiment weiter zu optimieren, die Qualität zu verbessern. So haben wir zum Beispiel eine neue Küchenhelferserie entwickelt, die zwei alte ersetzen wird.“ Bei der Entwicklung neuer Produkte stelle man sich immer die Frage: Was passt zum Sortiment? Was können wir optimieren, was neu entwickeln? In diesem Jahr habe man zur Ambiente allein 140 Neuheiten vorgestellt, das, so Braun, werde man sicher nicht wiederholen: „Es wird durch die Vielzahl der Produkte nicht besser.“ „Unser Fokus liegt darauf, dem Handel ein sehr gut kuratiertes Sortiment anzubieten. Nach den starken Sortimentserweiterungen der vergangenen acht Jahre sehen wir unser Sortiment als sehr rund, als sehr komplett.“
Und der Handel weiß das Sortiment zu schätzen, aber nicht nur das, sondern auch die Zusammenarbeit mit dem schwäbischen Unternehmen. So belegt Karl Weis regelmäßig Platz eins bei der Partnerwahl des Fachhandels. „Wir richten uns voll am Fachhandel aus. Wir setzen auf Qualität, ein sehr tiefes Sortiment, eine gute Marge und haben keine Mindestbestellmenge.“ All das weiß der Fachhandel zu schätzen, auch dass Weis keine Supermärkte beliefert, keinen eigenen Webshop für Endverbraucher betreibt. Und wenn Preiserhöhungen anstehen – seien es die Material-, die Transport – oder die Verpackungskosten – dann geht das durch die analoge Anpassung der UVPs nicht auf Kosten der Marge.
„Wir haben im übrigen sehr schlanke Strukturen im Unternehmen, sind intern sehr gut digitalisiert und daher flexibel.“ Dazu gehört auch eine schnelle Lieferbarkeit der Produkte, weil ein Großteil der Produkte auf Lager ist. „Alle Ware, die wir produzieren, ist schon im vorneherein voll finanziert, wir müssen nichts in den Markt drücken.“ Falls ein Artikel mal gar nicht geht, dann bietet ihn das Unternehmen an seinem Black Friday an – der ist exklusiv für seine Händler und kann dann mit einem sehr sehr hohen Rabatt in einer begrenzten Stückzahl für Aktionen erworben werden. „Das funktioniert gut,“ stellt Thimo Braun fest. „Unser Fokus liegt nicht ausschließlich auf schnelldrehenden Artikel, sondern auf Kompetenz. So führen wir nach wie vor ein Schneckenbesteck. Das ist ein Exot, den man so nicht mehr am Markt findet. Aber bei uns, weil er zu unserer Sortimentsstrategie passt.“
Fragt man Thimo Braun, worin er das Erfolgsgeheimnis des Unternehmens sieht, dann nennt er die vier Punkt Premiumqualität, Marge, Sortimentstiefe und Fachhandelstreue. Das ist der Mehrwert, dem man dem Handel biete. Mit dieser Strategie sieht er sich gut gerüstet. „Trotz eines rückläufigen Marktes sehen wir durchaus noch Wachstumspotential. Denn wenn eine der großen Marken ihre Vertriebsstrategie ändert, dann nutzt uns das.“ Denn Weis will nicht sich in den Mittelpunkt stellen, sondern die Beratungskompetenz des Handels. So gibt es zwar Thekendisplays, Verkaufspräsenter und anderes mehr – aber der Handel entscheidet, was er nutzt.
Noch ein abschließendes Wort zum Umsatz: den gibt Thimo Weis nicht bekannt. Verrät aber noch ein wenig zum Export, mit dem die Schwaben 40 % ihres Umsatzes erzielen. Vor allem in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und den skandinavischen Ländern, und man wolle sich neben dem deutschen Facheinzelhandel als größte Kundengruppe auch weiterhin auf den europäischen Markt konzentrieren. Da macht einer eine grundsolide Arbeit ...










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